Impfstoffentwicklung

Seit etwa 100 Jahren profitieren Kinder, Jugendliche und Erwachsene von einer Entdeckung, die so viele Leben gerettet hat, wie keine andere medizinische Maßnahme zuvor: Impfungen.

In der Vergangenheit war die Gefahr, an lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten zu erkranken, allgegenwärtig. Viele Kinder erreichten das Erwachsenenalter nicht. Sie starben an Diphtherie, Masern, Lungenentzündung oder anderen Erkrankungen. Auch die Lebenserwartung von Erwachsenen reduzierte sich durch Infektionen mit Viren oder Bakterien.

Dass der erste Nobelpreis für Medizin im Jahr 1901 der Behandlung einer Infektionskrankheit gewidmet war, zeigt die Bedeutung des Themas in dieser Zeit: Emil von Behring erhielt den Preis für die Entdeckung eines Heilserums gegen Diphtherie und wurde als „Retter der Kinder“ gefeiert.

Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Impfstoffentwicklung Fahrt auf: Nach dem Diphtherie-Heilserum stand im Jahr 1923 ein erster aktiver Impfstoff zur Verfügung, der bereits den Ausbruch einer Diphtherie wirksam verhindern konnte. Es folgten Impfstoffe gegen Keuchhusten (1926), Tetanus (1927) oder Grippe (1936). Seit 1955 ist es möglich, gegen Kinderlähmung zu impfen, 1968 kam ein Impfstoff gegen Masern hinzu, seit 1977 können Menschen gegen Pneumokokken geschützt werden und seit 2001 steht hierfür sogar ein deutlich wirksamerer Impfstoff zur Verfügung.

Immer wieder kommen neue oder verbesserte Impfstoffe auf den Markt, um Menschen noch effektiver gegen Infektionskrankheiten zu schützen. Wissenschaftler arbeiten intensiv an den Herausforderungen dieses Jahrhunderts, zum Beispiel einem Impfstoff gegen Malaria oder HIV. Denn fest steht: Jede neue Impfstoffentwicklung bietet neue Möglichkeiten, Menschenleben zu retten.

Aktive und passive Impfung – wo ist der Unterschied?

Damit wir Bakterien und Viren abwehren können, benötigen wir spezifische Antikörper in unserem Blut. Diese winzigen Wächter greifen ein, wenn ein bekannter Erreger in unseren Körper gelangt. Sie machen ihn unschädlich und sorgen dafür, dass wir nicht krank werden.

Anders bei unbekannten Erregern: Sie treffen unseren Körper unvorbereitet und können sich zunächst ungestört verbreiten. Erst wenn unser Körper ausreichend Antikörper bilden konnte, funktioniert unsere eigene Abwehr und wir fangen an, zu genesen. Erreger wie Meningokokken oder Pneumokokken lassen dem Körper für diesen Prozess oft nicht genug Zeit. Nach rasanten Krankheitsverläufen kommt es daher häufig zu Todesfällen.

Impfungen trainieren unser Immunsystem für den Ernstfall. Sie regen den Körper an, spezifische Antikörper zu bilden, in der Regel ohne dass der Mensch unter den Symptomen der Krankheit leiden muss. Dazu werden die gefährlichen Viren oder Bakterien im Impfstoff entweder abgetötet (Totimpfstoff) oder stark abgeschwächt (Lebendimpfstoff). So können sie dem Menschen nicht gefährlich werden, aktivieren aber trotzdem sein Immunsystem. Die gebildeten Antikörper können sich über Jahre, manchmal sogar lebenslang an ihre Angreifer erinnern. Man spricht nach solchen Impfungen von einer aktiven Immunisierung.

Benötigt der Körper wegen einer schweren Infektion einen sofortigen Schutz, besteht für einige Infektionskrankheiten die Möglichkeit, fertige Antikörper zu verabreichen. Diese übernehmen für einen beschränkten Zeitraum die Aufgabe der Wächter und können gefährliche Krankheiten wie Diphtherie oder Tetanus im akuten Erkrankungsfall abwehren. Da das Immunsystem keine eigenen Antikörper aufbaut, spricht man von einer passiven Immunisierung.