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Impfen in der Apotheke – Was spricht dafür und was dagegen?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant Modellregionen, in denen ApothekerInnen Grippeschutzimpfungen durchführen dürfen. Dieser Vorstoß, in anderen europäischen Ländern schon lange umgesetzt, soll Impfquoten erhöhen und Ärzte entlasten. Doch was spricht für und was gegen diese Kompetenzerweiterung?

Impfen in der Apotheke – der Vorschlag von Jens Spahn

Das Impfen stellt eine der wichtigsten Vorsorgemaßnahmen in der Medizin dar, denn Impfungen können schwerwiegenden Infektionskrankheiten vorbeugen.1 Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat nun in einem Gesetzesentwurf vorgeschlagen, dass in Modellregionen zukünftig auch ApothekerInnen Impfungen vornehmen dürfen. Konkret geht es um die Schutzimpfung gegen Influenza. Spahn bringt den Vorstoß auch mit neuen Einkommensmöglichkeiten für Apotheken in Verbindung und macht deutlich, dass der Zugang zu Impfungen durch die Kompetenzerweiterung erleichtert werden soll. Dadurch soll die Impfquote in Deutschland langfristig gesteigert werden.2

Impfen in der Apotheke – in anderen Ländern Usus

Während das Impfen in deutschen Apotheken eine neue Entwicklung darstellen würde, ist die Umsetzung in einigen anderen Ländern schon gang und gäbe. Bei einer Umfrage des Welt-Apothekerverbandes (FIP) aus dem Jahr 2016 gaben 13 von 45 Ländern an, dass das Impfen in Apotheken in ihrem Land erlaubt sei: Diese Angabe gab es unter anderem aus Portugal, Neuseeland und Australien.3 Doch auch in unseren Nachbarländern Dänemark und Schweiz wird in Apotheken geimpft.3

Aber welche Meinungen haben Befürworter und Kritiker in der Debatte?

Impfen in der Apotheke – Argumente dafür

Befürworter betonen, dass das Impfen durch geschultes Apothekenpersonal die vollen Wartezimmer in den Arztpraxen entlasten könnte.4, 5 Das wäre nicht nur für den Arzt praktisch – auch für den Patienten könnten beim Impfen die langen Wartezeiten auf einen Arzttermin sowie im Wartezimmer entfallen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die flächendeckende Versorgung:4 In Regionen, in denen wenige Arztpraxen ansässig sind, können die Apotheken einen wichtigen Beitrag dafür leisten, dass die Impfvorsorge für die Bevölkerung gewährleistet bleibt.

Impfen in der Apotheke – Argumente dagegen

Kritische Stimmen heben hervor, dass Impfungen dort durchgeführt werden sollten, „wo notfalls eine ärztliche Behandlung möglich sei“. Diese Meinung vertritt zumindest der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands (DHÄV) Ulrich Weigeldt in einer Pressemitteilung vom 9. April 2019.6 Auch der frühere Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) Ulrich Montgomery verdeutlichte, dass das hohe Qualitätsniveau von Impfleistungen in Deutschland durch die Ausweitung der Impfkompetenz verloren gehen könnte.7 Denn beim Impfen geht es um mehr als nur die Verabreichung der Spritze. Der Ausschluss möglicher Vorerkrankungen sowie die Aufklärung über die Impfung sind nur zwei weitere ärztliche Leistungen rund um das Impfen.6

Impfen in der Apotheke – eine Diskussion wert

Der Gesetzesentwurf besteht seit dem 8. April 2019 und wurde dem Bundeskabinett im Juli zur Beschlussfassung vorgelegt (Stand: Juli 2019). Was bei all der Aufregung nicht vergessen werden darf: Beim Impfen in der Apotheke handelt es sich um eine angedachte Maßnahme von vielen, um Impfquoten in Deutschland zu erhöhen. Parallel gibt es einige weitere Vorschläge. Dazu zählt die Einführung eines digitalen Impfpasses, die zum Beispiel die Grünen und der Deutsche Hausärzteverband (DHÄV) fordern, sowie der Plan der EU-Kommission, die Aufklärung über das Impfen zu verstärken.8–10 So sollen Menschen daran erinnert werden, an regelmäßige Auffrischungsimpfungen zu denken und ihren Impfstatus checken zu lassen.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Ist Ihr Impfstatus aktuell? Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann Sie hierzu beraten.

 

Quellen:
1 Robert Koch-Institut. Impfen. (letzter Zugriff am 31.05.2019)
2 Ärzte-Zeitung.de, Spahn denkt über Impfungen in Apotheken nach, vom 10.10.2018 (letzter Zugriff am 31.05.2019)

3 DAZ.online, In diesen Ländern dürfen Apotheker impfen, vom 24.04.2018 (letzter Zugriff am 31.05.2019)
4 Morgenpost.de, Impfung aus der Apotheke? Das ist der Plan des Ministeriums, vom 09.04.2019 (letzter Zugriff am 31.05.2019)
5 DAZ.online, Sollen Apotheker impfen dürfen?, vom 17.01.2018 (letzter Zugriff am 31.05.2019)
6 Deutscher Hausärzteverband. Pressestatement anlässlich des Referentenentwurfs eines Gesetzes zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken, vom 09.04.2019 (letzter Zugriff am 17.07.2019)
7 Ärzteblatt.de, Impfen durch Apotheker stößt auf Gegenwehr bei Ärzten, vom 09.04.2019 (letzter Zugriff am 31.05.2019)
8 Ärzteblatt.de, Grüne wollen digitalen Impfpass, vom 17.04.2019 (letzter Zugriff am 17.07.2019)
9 Ärzteblatt.de, Hausärzteverband fordert digitalen Impfpass, vom 24.04.2018 (letzter Zugriff am 17.07.2019)
10 Ärzteblatt.de. EU-Kommission will gegen Falschinformationen zu Impfungen vorgehen, vom 26.04.2019 (letzter Zugriff am 17.07.2019)