Meningokokken Erreger (Neisseria meningitidis)

Meningokokken sind Bakterien, die zu Hirnhautentzündung und/oder Blutvergiftung führen können. 12 verschiedene Serotypen von Meningokokken lassen sich weltweit unterscheiden. In Europa werden Erkrankungen mit Meningokokken hauptsächlich von zwei Serotypen ausgelöst: Gruppe B und Gruppe C.1 In Afrika und weiten Teilen Asiens steht die Serogruppe A im Vordergrund, auf dem amerikanischen Kontinent ist die Serogruppe Y prävalent. Infektionen mit der Serogruppe W135 sind in den letzten Jahren in verschiedenen Gegenden der Welt aufgetreten, häufig in Form von klonalen Ausbrüchen.

Meningokokken sind in Deutschland die häufigsten Auslöser einer bakteriellen Meningitis.2 Jedes Jahr werden aktuell etwa zwischen 300 und 350 Fälle gemeldet. Diese Fallzahlen waren vor zehn Jahren annähernd doppelt so hoch.10 Gerade Säuglinge, Kinder und Jugendliche sind betroffen, doch auch andere Altersgruppen können erkranken.2 In Europa und Nordamerika treten Meningokokken-Infektionen gehäuft im Winter und im Frühjahr auf.2 Auslöser sind hier meist die Serotypen B und C, in den USA auch Y.

Quelle: Modifiziniert nach: Jafri et al. Popul Health Metr. 2013 Sep 10;11(1):17. doi: 10.1186/1478-7954-11-17. Global epidemiology of invasive meningococcal disease.

Meningokokken-Erkrankungen werden in den Industrieländern in der Regel nur noch als Einzelerkrankung oder in Form von kleineren Häufungen beobachtet. Weltweit sieht die Meningitis-Lage jedoch anders aus: Die Subsahara-Zone wird als „Meningitis-Gürtel“ bezeichnet. Hier traten in den vergangenen Jahrzehnten große Meningitis-Epidemien auf – meist ausgelöst durch Erreger des Typs A, aber auch durch W, Y und C. In jüngster Zeit haben konzertierte Massen-Impfaktionen des Meningitis Vaccine Project (MVP), einer Partnerschaft zwischen PATH (Program for Appropriate Technology in Health) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zu einer dramatischen Abnahme der Gruppe A-Fälle im hauptsächlich betroffenen Subsahara-Gürtel Afrikas (“Meningitis Belt") geführt. Auch Asien ist von Meningitis-Epidemien betroffen.

Die Unterscheidung der Serogruppen ist wichtig, da es für die unterschiedlichen Typen verschiedene Impfstoffe – teils als Einzelimpfstoff, teils als Impfstoff-Kombination – gibt. Sprechen Sie daher unbedingt mit Ihrem Arzt, für welche Region der Erde Sie einen Meningokokken-Schutz benötigen. 

Meningokokken verursachen vor allem zwei schwere und lebensbedrohliche Krankheitsbilder, die einzeln oder zusammen auftreten können: Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis).2

Zwei Drittel der Betroffenen entwickeln eine Hirnhautentzündung.2 Diese Erkrankung ist so schwer, dass sie bei den Patienten innerhalb von Stunden durch Herz-Kreislauf-Versagen zum Tode führen kann. Eine von Meningokokken ausgelöste Hirnhautentzündung muss daher sofort intensivmedizinisch behandelt werden.3

Meningokokken-Erkrankungen treten sehr plötzlich auf und führen innerhalb weniger Stunden zu einer erheblichen Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Daher ist es enorm wichtig, dass Sie als Eltern die Symptome einer Hirnhautentzündung kennen, um bei Ihrem Kind im Fall einer Erkrankung sofort reagieren zu können. Es gilt: Je schneller eine wirksame Antibiotika-Therapie einsetzt, desto günstiger ist dies für den Krankheitsverlauf. Daher müssen Eltern und Ärzte umgehend richtig reagieren, um die schwerwiegenden Folgen einer durch Meningokokken ausgelösten Hirnhautentzündung zu verhindern.

Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie die genannten Symptome bei Ihrem Kind feststellen. Auch nachts oder am Wochenende. Warten Sie nicht auf den nächsten Morgen oder gar auf den Montag. Bakterien schlafen nicht und vermehren sich unentwegt weiter.

Eine Hirnhautentzündung beginnt meist mit Fieber und Kopfschmerzen. Oftmals klagen die Betroffenen über Lichtempfindlichkeit. Sie sind schläfrig oder benommen. Ein typisches Anzeichen kann eine schmerzhafte Nackensteifigkeit sein. Es kann zu Erbrechen und zu erheblichen Kreislaufbeschwerden kommen.

Bei Säuglingen und Kleinkindern  sind die Symptome oft viel schwieriger einzuordnen. Im Vordergrund stehen Reizbarkeit mit schrillem Schreien, schlechtes Trinkverhalten und Fieber. Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit fehlen altersentsprechend. Eventuell zeigt sich eine vorgewölbte oder harte Fontanelle.

Jeder fünfte bis zehnte Patient leidet nach einer Hirnhautentzündung durch Meningokokken an Krampfanfällen oder Taubheit. Bei Kindern kommt es eventuell zu Entwicklungsstörungen. Etwa zehn Prozent der Erkrankten sterben.

Bei einer Blutvergiftung werden Meningokokken-Bakterien über das Blut in den ganzen Körper geschwemmt. Sichtbar wird dies an kleinen, stecknadelgroßen, dunkelroten, blauen oder bräunlichen Flecken auf der Haut, die sich schnell vermehren und vergrößern.4 Wenn Sie Flecken dieser Art auf der Haut Ihres Kindes bemerken, machen sie den „Glas-Test“. Dies ist eine einfache Methode, die Ihnen zeigt, ob es sich um einen gewöhnlichen Hautausschlag oder eine Blutvergiftung handelt:


Drücken Sie ein durchsichtiges Trinkglas auf einen Fleck und beobachten sie den Fleck durch den Boden des Glases. Hautausschläge verschwinden. Flecken, die durch Einblutungen ausgelöst sind, bleiben sichtbar. Bei einem positiven Glas-Test zählt jede Minute. Ihr Kind muss sofort in ärztliche Behandlung.4 Ziel ist, die Ausbreitung der Bakterien schnellstmöglich zu stoppen. Kommt es hierbei zu Verzögerungen, können einzelne Körperteile absterben, was zu einer Amputation dieser Körperteile führen kann. Etwa jeder zehnte Patient stirbt an einer Blutvergiftung. Bei schwerem Verlauf sogar jeder dritte Patient.

Meningokokken-Bakterien kommen nur beim Menschen vor. Prinzipiell kann jeder Mensch an einer Meningokokken-Infektion erkranken.1 Trotzdem trifft es meist Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche und junge Erwachsene (15-25 Jahren). Ein zweiter Erkrankungsgipfel ist bei Jugendlichen zu beobachten. Verblüffend: Jeder Zehnte trägt Meningokokken-Bakterien im Nasen-Rachen-Raum, ohne selbst zu erkranken.1 Er oder sie könnte jedoch andere anstecken.

Die Ansteckungsgefahr steigt bei engem Aufeinanderleben oder bei einer geschwächten Abwehr. Auch eine Infektion der Atemwege oder Rauchen erhöhen das Ansteckungs-Risiko. Erste Beschwerden sind meist drei bis vier Tage nach Ansteckung erkennbar. Manchmal auch nach zwei bis zehn Tagen.

Meningokokken-Patienten sind 24 Stunden nach dem Einsatz einer wirksamen Antibiotika-Therapie nicht mehr ansteckend. Meningokokken-Bakterien werden durch eine „Tröpfcheninfektion“ von Mensch zu Mensch übertragen. Dies kann beim Niesen, Husten, Sprechen oder Küssen passieren.1 Je enger Menschengruppen beieinander sind (öffentliche Verkehrsmittel, Veranstaltungen, Schulen, Kindergärten), desto höher ist das Ansteckungs-Risiko.

Meningokokken-Risikogruppen

Eine Meningokokken-Infektion kann durch die rasche Gabe von Antibiotika behandelt werden.
Die unklare Symptomatik und der rasche Krankheitsverlauf führen jedoch häufig zu einer Verzögerung der Medikation. Zusätzlich sind die Antibiotika-Resistenzen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das bedeutet, dass die Medikamente im Erkrankungsfalleventuell nicht mehr ausreichend oder gar nicht wirken. Im Falle einer Meningokokken-Infektion könnte dies dramatische Auswirkungen haben.

Obwohl Meningokokken-Erkrankungen der Serogruppe C eher selten vorkommen, ist eine Impfung für Kleinkinder mit Nachholimpfung bei Kindern und Jugendlichen aufgrund der Schwere der Erkrankung seit 2006 empfohlen.

Die Impfung gegen Meningokokken-C ist gut verträglich. Wie bei jeder Impfung können lokale Rötungen um die Injektionsstelle, Schwellungen oder Fieber auftreten. Impfreaktionen klingen normalerweise nach wenigen Tagen ab. 

Das empfohlene Impfschema

Vollständiger Impfschutz gegen Meningokokken C von Klein auf

* Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts, Epid. Bull., 34/2016.
G: Grundimmunisierung (in bis zu 4 Teilimpfungen G1-G4)

Meningokokken-Impfschutz für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche

Kinder ab dem vollendeten 12. Lebensmonat erhalten eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C.7 Hat Ihr Kind noch keine entsprechende Impfung erhalten, sollte diese bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.7 Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen für alle Personen vom 1. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr übernommen.8

Meningokokken-Impfschutz für Risikopersonen

Zum Schutz gegen die Meningokokken-Gruppen A, C, W und Y werden Risikopersonen mit einem Vierfach-Impfstoff geimpft.1 Das bedeutet, dass eine Injektion gegen vier Serogruppen schützt. Zu den Risikopersonen zählt folgender Personenkreis:

1 ww.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Meningokokken.html#doc2374538bodyText1, abgerufen am 27.04.2015
2 http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Meningokokken.html, abgerufen am 03.03.2017
3 www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/meningokokken-meningitis/auswirkungen, abgerufen am 27.04.2015
4 www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/meningokokken-meningitis/diagnose/, abgerufen am 03.03.2017
5 www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-kinder-0-12-jahre/meningokokken/infektion/, abgerufen am 27.04.2015
6 http://www.auswaertiges-amt.de/sid_C9BF4A3C53581364BEA45E7E7DE0ADCF/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/SaudiArabienSicherheit.html?nn=338018#doc337914bodyText, abgerufen am 25.05.2015
7 Robert Koch-Institut, Epid. Bull. 34/2015. Ständige Impfkommission (STIKO): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI. Epid Bull 2016; 34: 301-340.
8 Schutzimpfungs-Richtlinie Gemeinsamer Bundesausschuss, Stand: 14. Februar 2015, abgerufen am 27.04.2015
9 Robert Koch-Institut, Epid. Bull. 31/2009 
10 RKI, Epid Bull 2016; 43:471–488.