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Die Masernsituation zum Halbjahr 2019

Noch immer erkranken zu viele Kinder und Erwachsene an Masern. Die hohen Infektionszahlen in Deutschland lassen das Ziel einer Ausrottung der Masern in weite Ferne rücken. Jetzt kommt die Impfpflicht. Wie ist der aktuelle Stand bei den Masernerkrankungen und warum ist die Impfung so wichtig?

Masern 2019 – wie ist die aktuelle Situation?

Bei Masern handelt es sich um eine hochansteckende Erkrankung, die schwere Folgen haben kann. Die Viren breiten sich von Mensch zu Mensch aus. Eine Impfung kann jedoch vor Masern schützen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Masernausbrüchen, obwohl man Masern mit hohen Impfquoten ausrotten könnte. Dafür müssen allerdings mindestens 95 Prozent einer Bevölkerung vollständig geimpft sein.1 Diese Impfquote haben sich die Mitgliedsländer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits im Jahr 1984 zum Ziel gesetzt. Die Eliminierung der Masern sollte so bis zum Jahr 2020 gelingen. In Deutschland und auch in vielen anderen Ländern wird dieses Ziel allerdings weit verfehlt.
Die Folge sind immer wieder auftretende Masernfälle in Deutschland. Insgesamt schwanken die jährlichen Zahlen der Erkrankten stark. Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht derzeit jedoch keinen Rückgang der Erkrankungen, sondern eher eine Stagnation „auf einem Niveau, das deutlich über den Eliminationszielen der WHO (< 1 Fall pro 1 Mio. Einwohner) liegt“.1

Masern in Deutschland

Die Masernausbrüche in Deutschland hatten 2015 mit 2.465 Fällen ihren Höhepunkt. Aber auch in diesem Jahr gibt es bis zum 7. Juli bereits 448 gemeldete Fälle2 – für eine Krankheit, die eigentlich bis 2020 ausgerottet sein sollte, sind das zu viele. Die meisten Masernfälle gab es im Jahr 2019 bisher in Nordrhein-Westfalen (121 Fälle), gefolgt von Niedersachsen (79) und Bayern (63).2

Grafik Maserfälle in deutschland 2019

Masern weltweit

Auch in anderen Ländern sind die Zahlen hoch: In den USA wurden im Jahr 2019 bisher 1.095 Fälle gemeldet.4 Laut Unicef UNICEF stiegen die Zahlen der Masernfälle zuletzt vor allem in der Ukraine, auf den Philippinen und in Brasilien am stärksten.5 Insgesamt wurden der WHO von Januar bis Ende Juni 2019 aus den Mitgliedsländern bereits 269.522 Masernfälle gemeldet. Dies sind schon zum Halbjahr mehr als 80 Prozent der Fälle des gesamten Jahres 2018 (328.629).6

Masern – nur eine Kinderkrankheit?

Masern gelten fälschlicherweise als Kinderkrankheit. Zwar fielen im letzten Jahr 25 Prozent der gemeldeten Masernfälle in der Europäischen Union auf Kinder unter fünf Jahren, doch Masern können auch im Erwachsenenalter auftreten. 37 Prozent der Erkrankten waren älter als 20 Jahre. Bei den Todesfällen sind Kinder leider am häufigsten betroffen: 61 Prozent der Verstorbenen waren unter zehn Jahre alt.7

Masern-Impfpflicht

Ab März 2020 soll daher in Deutschland eine Masern-Impfpflicht gelten. Der entsprechende Gesetzentwurf wurde am 17. Juli vom Bundeskabinett beschlossen und wird im nächsten Schritt dem Bundestag vorgelegt. Das Gesetz sieht vor, dass alle Kinder beim Eintritt in die Schule oder in den Kindergarten die Masern-Impfungen nachweisen müssen – das gilt auch für die Betreuung durch eine Tagesmutter.
Außerdem ist der Impfschutz für Personen verpflichtend, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen tätig sind. Dazu gehören zum Beispiel Erzieher, Lehrer, Pfleger oder medizinisches Personal. Auch in Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber und Flüchtlinge müssen die Bewohner zukünftig der Impfpflicht nachkommen. Ein Missachten dieser Impfpflicht kann Bußgelder und Sanktionen zur Folge haben. So müssen zum Beispiel Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 2.500 Euro rechnen. Nicht geimpfte Kinder können vom Besuch des Kindergartens ausgeschlossen werden.8

Die Masern-Impfung – für Kinder und Erwachsene empfohlen

Tatsächlich ist Impfen der wirksamste Schutz gegen Masern. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung gegen Masern als Standardimpfung für alle Babys ab dem Alter von elf bis 14 Monaten. Die zweite Teilimpfung folgt im Alter von 15 bis 23 Monaten.
Die Impfempfehlung der STIKO gilt jedoch auch für alle Erwachsenen und Jugendlichen, die nach dem Jahr 1970 geboren wurden und die als Kind entweder gar nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft wurden oder einen unklaren Impfstatus haben. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann hier beraten. Nehmen Sie einfach beim nächsten Arztbesuch Ihren Impfpass mit und lassen Sie Ihren Status überprüfen!
Die Impfung ist in der Regel gut verträglich und wird meist in einem Kombinationsimpfstoff gegeben, der auch gegen Röteln und Mumps schützt. Sie möchten sich genauer über die Masern-Impfung informieren? Hier erfahren Sie mehr.

 

Quellen

1 Robert Koch-Institut, RKI Ratgeber Masern (letzter Zugriff: 25.07.2019)
2 Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin vom 25. Juli 2019 / Nr. 30 (letzter Zugriff: 25.07.2019)
3 Robert Koch-Institut: Epidemiologische Situation der Masern und Röteln in Deutschland in 2018 (letzter Zugriff: 25.07.2019)
4 World Health Organization (WHO), Measles and Rubella Surveillance Data, Country Slights (measles), last update: 15.07.2019 (letzter Zugriff am 25.07.2019)
5 UNICEF, Alarmierender Anstieg von Masern-Infektionen, vom 01.03.2019 (letzter Zugriff am 29.05.19)
6 World Health Organization (WHO), Measles and Rubella Surveillance Data, Global Measles and Rubella Monthly Update, last update: 15.07.2019 (letzter Zugriff am 25.07.2019)
7 Muscat, M., et al.; Bundesgesundheitsbl 2019 62:440–449; 440–449; doi: 10.1007/s0103-019-02920-2
8 Bundesgesundheitsministerium, Impfpflicht soll Kinder vor Masern schützen (letzter Zugriff: 25.07.2019)