Meningokokken-Impfung für Jugendliche und Erwachsene
Meningokokken-Erkrankungen sind sehr ernst zu nehmen: Sie treten sehr plötzlich auf und können innerhalb weniger Stunden zu einer erheblichen Verschlechterung des Allgemeinzustands und zum Tod oder lebenslangen Folgeerkrankungen führen. Impfstoffe können vor einer Meningokokken-Erkrankung schützen.1
Was genau sind Meningokokken?
Meningokokken sind auf der ganzen Welt verbreitete Bakterien, die innerhalb weniger Stunden zu schweren, lebensbedrohlichen Erkrankungen, wie einer Hirnhautentzündung (Meningitis) und/oder Blutvergiftung (Sepsis) führen können.1
Man unterscheidet 12 verschiedene Gruppen von Meningokokken-Bakterien – auch Serogruppen genannt. Die häufigsten Auslöser in Deutschland für zum Teil lebensbedrohliche Meningokokken-Erkrankungen sind dabei die Gruppen B, C, W und Y.1
Wie kann ich mich anstecken?
Am häufigsten werden Meningokokken als Tröpfcheninfektion übertragen z.B beim Niesen oder Husten. Sie können auch beim Sprechen in die Luft geraten und aus kurzer Entfernung eingeatmet werden.1
Jeder Zehnte in der Allgemeinbevölkerung trägt die Erreger im Nasen-Rachen-Raum, ohne selbst erkrankt zu sein. Die Betroffenen merken zwar teilweise nichts von den Erregern, können jedoch andere damit anstecken. Die höchsten Trägerraten im Nasen-Rachen-Raum haben Jugendliche und junge Erwachsene, bis zu 24 %.1,3
Wer ist gefährdet?
Im Grunde können sich Menschen jeden Alters mit Meningokokken anstecken. Am häufigsten kommt die Infektion allerdings bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen vor.1
Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 19 Jahren sind einem höheren Risiko aufgrund ihres Sozialverhaltens ausgesetzt, da gerade in dieser Lebensphase alles – und damit auch Krankheitserreger – bedenkenlos miteinander geteilt werden.3-5
Ein zusätzlich erhöhtes Erkankungsrisiko besteht auch für Reisende in Risikogebiete und bei Personen mit geschwächtem Immunsystem.2
Weltweit werden die allermeisten Meningokokken-Erkrankungen durch die Gruppen A, B, C, W und Y verursacht – gegen all diese gibt es Impfstoffe, die vor einer Erkrankung schützen können. Circa 1 % der Erkrankten mit Meningitis und 13 bis 33 % der Erkrankten mit Sepsis versterben. Nicht zu vergessen sind mögliche kognitive und psychologische Folgen wie Einschränkungen des Intellekts und Lernschwieigkeiten. Zu den körperlichen Folgeerkrankungen gehören Taubheit und Behinderungen durch den Verlust von Gliedmaßen. Impfungen können nicht nur einen selbst schützen, sondern auch die, die besonders anfällig für eine Ansteckung sind.1
Wie kann ich mich schützen?
Die STIKO empfiehlt eine Standardimpfung gegen Meningokokken A, C, W und Y für alle Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren. Ein fehlender Impfschutz sollte bis zum 25. Geburtstag nachgeholt werden:6
- Schülern und Studenten vor Auslandsaufenthalten in Länder mit einer Impfempfehlung
- Langzeitaufenthalte, besonders Kinder und Jugendliche. Entsprechend den Empfehlungen der Zielländer
- Reisenden in Länder mit Empfehlungen für Meningokokken-Impfungen
- Pilgerreisenden nach Mekka
- Menschen mit einem geschwächten Immunsystem
- Bei regionalen Häufungen von Meningokokken-Erkrankungen oder bei Ausbrüchen
- Laborpersonal (mit erhöhtem Meningokokken-Risiko)
- Bisher ungeimpften Kontaktpersonen von Erkrankten
Jugendliche
Du bist dir nicht sicher was dein aktueller Impfstatus ist? Bei Jugendlichen sollte mit der neuen Empfehlung klar sein, ob sie zur Zielgruppe gehören. Bei der J1 sollte der Arzt allen 12-14 Jährigen die Impfung empfehlen. Außerdem wird dein Impfstatus überprüft. Hier richtet sich der Arzt nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO).
Nicht verstecken.
Lass dich checken!
Mach die Jugenduntersuchung und frag einen Experten!
Jugendliche & Erwachsene
Zusätzlich zur Impfung und zum Gesundheits-Check kannst du gewisse Vorsorgemaßnahmen treffen:
- gründlich Hände waschen
- große Menschenansammlungen meiden
- gesunde Ernährung, um dein Immunsystem zu stärken
- keine Lebensmittel, Kosmetika o.ä. teilen
Woran erkennt man eine Meningokokken-Erkrankung?
Meningokokken-Erkrankungen zeigen einen saisonalen Verlauf mit Erkrankungsgipfel in den Wintermonaten Januar bis März auf.9 Zudem ähneln die ersten Symptome auch denen einer Grippe oder einem grippalen Infekt und werden deswegen leicht unterschätzt.1
Typisch sind die zuerst unspezifischen Beschwerden im Nasen-Rachen-Raum, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel mit schwerstem Krankheitsgefühl. Im weiteren Verlauf können punkt-bis flächenförmige Hauteinblutungen oder Nackensteifigkeit auftreten. Solltest du diese Symptom aufweisen, musst du unverzüglich ins Krankenhaus!1
Bei einer Meningokokken-Erkrankung treten einzelne oder auch mehrere Symptome auf. Die Tabelle steht sie mit denen einer Grippe gegenüber.1,8,10
Im Allgemeinen wird die Erkrankung bei Jugendlichen wesentlich später festgestellt als bei Säuglingen und Kleinkindern.8
Eine Meningokokken-Erkrankung ist aber ein absoluter Notfall und muss sofort intensivmedizinisch behandelt werden.8
Wichtig zu wissen ist, dass man sich nicht nur gegen Grippe, sondern auch gegen Meningokokken impfen lassen kann!2
Was macht Meningokokken-Infektionen so gefährlich?
Meningokokken-Erkrankungen sind selten. Wenn sie aber auftreten, fallen sie in der Regel sehr schwerwiegend aus, vor allem auch, weil sie oft zu spät erkannt werden. Die Symptome sind nicht immer leicht zu deuten und ähneln anfänglich denen einer Grippe. Die Erkrankung kann schwere Folgen für dein zukünftiges Leben haben und innerhalb von wenigen Stunden lebensbedrohlich werden.1,8
Die Krankheitslast ist sehr hoch: 10-20 % der Überlebenden leiden an Folgeerkrankungen.1
Mögliche Folgeschäden einer Meningokokken-Infektion sind:1,11
- Hör- und/oder Sehschäden
- Neurologische und/oder kognitive Störungen (z.B. geistige Behinderungen, Lernschwierigkeiten)
- Epileptische Anfälle
- Hautvernarbungen
- Gelenkprobleme
- Nierenschäden
- Amputationen von Gliedmaßen infolge einer Blutvergiftung
- Tod
In jedem Fall können Meningokokken-Erkrankungen zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Allgemeinzustands und damit zu einer gesteigerten Anfälligkeit und bedingten Belastbarkeit führen – und dadurch das alltägliche Leben einschränken.
Umso wichtiger ist es, sich mit Meningokokken zu befassen und sich über den Schutz zu informieren.
Quellen:
1 Robert Koch-Institut, Meningokokken-Erkrankungen (letzter Zugriff am: 29.06.2026)
2 Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 4/2026 (letzter Zugriff am: 29.06.2026)
3 Christensen, H., Lancet Infect Dis. 2010 Dec;10(12):853-61.
4 Robert Koch-Institut, Bekanntmachungen der STIKO - Pressemitteilung der STIKO zur neuen Empfehlung der Meningokokken-Impfung (letzter Zugriff am: 29.06.2026)
5 Stephens DS et al. Lancet. 2007;369:2196-210
6 Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 44/2025 (letzter Zugriff am: 23.04.2025)
7 Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 04/2025 (letzter Zugriff am: 23.04.2025)
8 Thompson MJ et al. Lancet 2006;367(9508):397–403
9 Robert Koch-Institut, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2024 (letzter Zugriff am: 29.06.2026)
10 Robert Koch-Institut, RKI-Ratgeber - Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren (letzter Zugriff am: 29.06.2026)
11 Olbrich, K.J. et al. Infect Dis Ther. 2018 Dec;7(4):421-438