Immunschwäche: Ursachen und Symptome | Wir fürs Impfen

Immunschwäche

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben ein nachweislich erhöhtes Risiko, an Infektionen wie zum Beispiel Grippe, Lungenentzündung oder Meningitis zu erkranken.

Das gilt für Menschen mit angeborenen Immundefekten genauso wie für Menschen mit erworbenen Immundefekten (z. B. durch Immunsuppression) – und für Erwachsene genauso wie für Kinder. Doch was sind die Ursachen für eine schwache Immunabwehr? Und: Welche Erkrankungen führen zu einer Immunschwäche?

In diesem Artikel:

  • Definition „Immunschwäche“ – was ist das?
  • Was sind die Ursachen für eine Immunschwäche?
  • Impfschutz bei Immunschwäche und Immunsuppression
  • Leben mit Immunschwäche

Ursachen, Symptome, Impfempfehlungen

Sowohl die Ursachen für eine Immunschwäche als auch die Symptome, durch die sie sich äußert, können von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein. Gemeinsam ist allen immunschwachen Menschen, dass sie ein erhöhtes Infektionsrisiko aufweisen. Um das Risiko einer Infektion und damit einhergehende Komplikationen zu verringern, können immungeschwächte Patienten und Patientinnen viel tun. Von Bedeutung sind vor allem medizinische Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen gegen bestimmte Infektionskrankheiten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut spricht hier klare Empfehlungen für Menschen mit geschwächtem Immunsystem aus. Die behandelnden Ärzte/Ärztinnen oder Fachärzte/Fachärztinnen beraten ihre Patienten bzw. Patientinnen, welche Impfungen im Einzelfall angezeigt sind.

Hinzu kommt: Auch ein gesunder Lebensstil und einfache Regeln für den Alltag können dazu beitragen, weitere Erkrankungen zu vermeiden.

Auf diesen Seiten bieten wir mehr Informationen über Immunschwäche und die Definition von Immunsuppression, ihre verschiedenen Symptome, Ursachen und Folgen. Wir informieren über Impfempfehlungen der STIKO und wie durch medizinische Vorsorge und einfache Verhaltensregeln Infektionskrankheiten im Alltag vermieden werden können.

 

Immunschwäche – was ist das?

Um Schäden durch Krankheitserreger zu verhindern, verfügt unser Körper über eine wirkungsvolle biologische Abwehr: das Immunsystem. Es ist rund um die Uhr im Einsatz, denn tagtäglich kommen wir mit Bakterien, Viren und anderen Krankheitserregern in Berührung. Unser Immunsystem bekämpft diese unerwünschten Eindringlinge und entfernt sie. Auch fehlerhaft entwickelte körpereigene Zellen werden von unserer Abwehr zerstört. Auf diese Weise kann das Immunsystem Erkrankungen verhindern und dafür sorgen, dass wir Infektionen aus eigener Kraft überwinden.

Bei einer Immunschwäche – auch Immundefekt oder Immundefizienz genannt – kann das Immunsystem diese wichtigen Aufgaben nicht mehr oder nur unzureichend erfüllen. Die Ursachen für eine Immunschwäche können verschiedene immunschwächende Krankheiten oder auch bestimmte Therapieformen sein (Behandlung mit immunsupprimierenden Medikamenten), die das Immunsystem unterdrücken.

Die Folgen, das heißt die Symptome, können schwerwiegend sein: Menschen mit Immunschwäche haben eine zum Teil deutlich erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und sind demnach überdurchschnittlich oft krank. Zusätzlich besteht im Falle einer Erkrankung die Gefahr langwieriger und komplizierter Verläufe, die sogar lebensgefährlich werden können.

Treten diese Symptome auf, kann der behandelnde Arzt bzw. die Ärztin unter anderem mit Hilfe einer Blutuntersuchung feststellen, ob ein Immundefekt vorliegt. Bestätigt sich der Verdacht, bestimmt vor allem die konkrete Diagnose das weitere Vorgehen.

Immunsuppression – was ist das?

Bei einer immunsuppressiven Therapie nehmen der Patient bzw. die Patientin vorübergehend oder sogar dauerhaft Medikamente ein, die das Immunsystem beeinträchtigen. Die sogenannten Immunsuppressiva werden eingesetzt, um Entzündungsreaktionen zu stoppen oder Autoimmunreaktionen zu verringern. Die möglichen Folgen eines geschwächten Abwehrsystems werden hier zugunsten der Behandlung einer meist schwerwiegenden, häufig chronischen Krankheit in Kauf genommen. Die Ausprägung der Immunschwäche ist dabei abhängig von der Grunderkrankung und von der Wirkung der Medikamente. Medizinische Vorsorgemaßnahmen zur Vermeidung zusätzlicher Infektionen aufgrund der Immunsuppression sind in der Regel Teil des Therapieplans. Anwendungsgebiete für eine immunsuppressive Therapie sind zum Beispiel:

  • Colitis ulcerosa
  • Morbus Crohn
  • Multiple Sklerose
  • Psoriasis-Arthritis
  • Rheumatoide Arthritis
  • Organtransplantationen

Was sind die Ursachen für eine Immunschwäche?

Die Ursachen für eine Immunschwäche sind sehr unterschiedlich. So können bereits äußere Umstände wie Stress, zu wenig Schlaf oder eine mangelhafte Ernährung das Abwehrsystem unseres Körpers beeinträchtigen. Ausgeprägte Immundefekte sind jedoch meist die Folge einer Grunderkrankung. In eher seltenen Fällen können diese Erkrankungen angeboren sein oder, was wesentlich häufiger vorkommt, im Laufe des Lebens erworben werden. Entsprechend wird zwischen angeborener und erworbener Immunschwäche unterschieden.

Angeborene Immunschwäche

Einem angeborenen Immundefekt liegt ein vererbter Gendefekt zugrunde. Diese seltene komplexe Erkrankung führt dazu, dass eine oder mehrere Komponenten des körpereigenen Abwehrsystems nicht so funktionieren, wie sie sollten.

Erworbene Immunschwäche

Bei einem erworbenen Immundefekt ist eine nicht angeborene Krankheit die Ursache für eine Immunschwäche. Hinzu kommen Erkrankungen, deren Behandlung eine immunsuppressive Therapie erfordert, die wiederum das Immunsystem beeinträchtigt. Die Auslöser für einen erworbenen Immundefekt können also sehr unterschiedlich sein:

Krankheiten, die eine Immunschwäche auslösen: 

Zu den immunschwächenden Krankheiten zählt z. B. eine Infektion mit Humanen Immundefizienz-Viren, kurz HIV. Diese Erkrankung zerstört Zellen im Blut und schädigt somit die körpereigenen Abwehrkräfte. Wird die Immunabwehr dabei so geschwächt, dass es keine Krankheitserreger mehr bekämpfen kann, spricht man vom „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ (AIDS) oder übersetzt: erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom. Auch Krebserkrankungen wie Leukämien oder Lymphome greifen unsere Abwehrzellen an und beeinträchtigen so die Funktion unserer Körperabwehr. Wird ein Tumor operativ entfernt, besteht vor allem im Bereich der Wunde ein erhöhtes Infektionsrisiko. Je nach Art und Größe des Eingriffs kann das Immunsystem zeitweilig geschwächt sein.

Chronische Krankheiten erhöhen das Risiko einer Immunschwäche: 

Erkrankungen mit schweren chronischen Verläufen wie zum Beispiel eine chronische Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus oder Milzerkrankungen können insbesondere in fortgeschrittenen Stadien einen Immundefekt zur Folge haben.

Therapien zur Behandlung einer Krebserkrankung schwächen das Immunsystem:

Während einer Chemotherapie wird die Immunabwehr geschwächt, da neben Tumorzellen unweigerlich auch Zellen des Immunsystems zerstört werden. Zudem kann eine umfangreiche Strahlentherapie, die sich auch auf das blutbildende Knochenmark erstreckt, zu einer vorübergehenden Schwächung des Immunsystems führen.

Entzündungshemmende Therapien führen zu einer Immunschwäche:

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), rheumatische Erkrankungen, Multiple Sklerose oder Psoriasis gehören zu den chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Sie sind die Folge einer Überfunktion des Immunsystems. Hier kann in der Regel eine Behandlung mit modernen Arzneimitteln die ungewöhnlich erhöhte Entzündungsaktivität im Körper reduzieren. Allerdings sind die Folgen dieser langfristigen immunsuppressiven Therapie eine Schwächung des Immunsystems.

Immunschwäche nach einer Organtransplantation:

Bei einer Transplantation wird das erkrankte Organ oder Gewebe durch ein Spenderorgan bzw. Transplantat ersetzt. Nach erfolgreicher Transplantation erhält der Patient oder die Patientin Immunsuppressiva. Diese Medikamente unterdrücken die Arbeit des Immunsystems, um eine Abstoßung des Organs bzw. einen Transplantatverlust durch eine Abwehrreaktion des Körpers zu verhindern. Hinzu kommt: Einige Infektionen können das Risiko einer Abstoßung oder Fehlfunktion des Transplantats erhöhen.

Impfschutz bei Immunschwäche und Immunsuppression

Impfungen gehören für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem bzw. unter immunsupprimierender Behandlung zu den wichtigsten medizinischen Vorsorgemaßnahmen – denn sie können das Infektionsrisiko für bestimmte Krankheiten deutlich senken und damit einhergehende Komplikationen vermeiden. Patienten bzw. Patientinnen sollten daher gemeinsam mit ihrem/ihrer behandelnden Arzt/Ärztin oder Facharzt/Fachärztin regelmäßig ihren Impfstatus überprüfen und unter Berücksichtigung des individuellen Gesundheitszustands sowie entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) einen Impfplan erstellen.

Neben den für alle Patienten empfohlenen Auffrischimpfungen empfiehlt die STIKO Patienten mit Immunschwäche verschiedene Impfungen, sogenannte Indikationsimpfungen. So gehören zum Beispiel die Impfungen gegen Grippe (Influenza) oder Pneumokokken zu den empfohlenen Impfungen unter Immunsuppression. Grundsätzlich gelten sogenannte Totimpfstoffe, sofern indiziert, als geeignet für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Wohingegen die Gabe von Lebendimpfstoffen von der STIKO nicht empfohlen wird und daher nur nach individueller Einzelfallprüfung durch den behandelnden Arzt bzw. durch die behandelnde Ärztin erfolgen sollte.1

Gut zu wissen: Die STIKO empfiehlt Personen mit Immundefizienz nach der COVID-19-Grundimmunisierung eine zusätzliche Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.2 Der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin kann hierzu beraten.

Welche Impfungen die STIKO immungeschwächten Patienten und Patientinnen konkret empfiehlt? Informiere dich hier!

Impfpass steckt in Hosentasche einer Jeans.
Gerade für Menschen mit Immunschwäche ist es wichtig, mögliche Impflücken zu schließen, um das Risiko für Infektionen zu reduzieren.

Leben mit Immunschwäche

Aktiv am Leben teilnehmen bedeutet für Menschen mit einer Immunschwäche Lebensqualität und Lebensfreude erhalten. Gleichzeitig steigt jedoch mit einem aktiven Leben in der Gesellschaft die Gefahr einer Ansteckung und damit auch die Angst vor Infektionen. Gerade in der kalten und nassen Jahreszeit sorgen zum Beispiel Grippewellen für ein hohes Infektionsrisiko. Hinzu kommen Krankheiten wie bakterielle Lungenentzündungen, die häufig von Pneumokokken ausgelöst werden. Diese Erreger sind ganzjährig weit verbreitet. Eine Infektion mit ihnen ist daher nahezu überall möglich: in Bus und Bahn, bei der Arbeit oder selbst zu Hause.

Trotzdem müssen immungeschwächte Patienten bzw. Patientinnen nicht auf Lebensqualität verzichten. Denn es gibt viele Möglichkeiten, Krankheiten vorzubeugen und die Gefahr einer Ansteckung zu reduzieren. Dazu zählen medizinische Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken genauso wie besondere Aufmerksamkeit im Alltag. Ein gesunder Lebensstil, zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung sowie viel Bewegung an der frischen Luft, unterstützt die natürliche Körperabwehr. Hinzu kommen wichtige Hygieneregeln und andere einfache Verhaltensregeln, die das Risiko einer Übertragung von Bakterien und Viren vor allem im Umgang mit anderen Menschen senken. Ein Treffen mit Freunden, ein Konzertbesuch, selbst Reisen sind möglich. Welche Impfungen im Einzelfall sinnvoll sind und zu welchem Zeitpunkt sie durchgeführt werden, sollten Patienten und Patientinnen immer gemeinsam mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt bzw. der Hausärztin oder Fachärztin besprechen.

Alltag mit Immunschwäche meistern? Hier erfährst du, wie das gelingt.

Großeltern haben Spaß mit ihrem Enkelkind.
Aktiv am Leben teilnehmen, bedeutet für Menschen mit einer Immunschwäche Lebensqualität und Lebensfreude erhalten.

1 Ständige Impfkommission: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2021. Epid Bull 2021;34:3- 63 (letzter Zugriff: 24.09.2021)
2 Ständige Impfkommission: Beschluss der STIKO zur 11. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung. Epid Bull 2021;39:3 -10 (letzter Zugriff: 05.10.2021)