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Impfung gegen Polio (Kinderlähmung) für Babys, Kinder und Erwachsene

Die hochansteckende Polio-Erkrankung war vor Einführung der Impfung auf der ganzen Welt weit verbreitet. Im schlimmsten Fall können die Erreger dauerhafte Lähmungen von Armen und Beinen auslösen, was der Krankheit auch den Namen „Kinderlähmung“ gibt.1

Seit 1990 gilt Deutschland zwar offiziell als Polio-frei.1 Dennoch können die Erreger aus anderen Ländern eingeschleppt werden. Aus diesem Grund empfiehlt die STIKO die Polio-Impfung für alle Kinder und Erwachsenen im Rahmen der Grundimmunisierung. Für Kinder ist der Impfstoff in der 6-fach-Impfung enthalten und wird für alle Kinder ab 2 Monaten empfohlen. Erwachsene sollten prüfen, ob sie die Impfung im Kindesalter erhalten haben. Wenn nicht bzw. nicht vollständig, ist auch für sie eine Auffrischung bzw. Grundimmunisierung empfohlen.

Impfschutz gegen Polio mit der 6-fach-Kombinationsimpfung

Die Impfung ist das einzige, das wirksam vor einer Ansteckung mit dieser Infektionskrankheit schützen kann. Wenn du als Kind geimpft wurdest, verfügst du bereits über Antikörper. Diese werden während der Schwangerschaft auch auf dein Baby übertragen und ermöglichen ihm einen sogenannten Nestschutz. Da sich die mütterlichen Antikörper jedoch in den ersten Lebensmonaten wieder abbauen, ist eine Impfung die einzig wirksame, langfristige Vorsorge gegen eine Erkrankung. Die Experten der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfehlen die Impfung gegen Polio im Alter von 2 Monaten – z.B. als Teil der 6-fach-Kombinationsimpfung. Neben Polio immunisiert die 6-fach-Impfung Babys gleichzeitig gegen fünf weitere Erkrankungen (Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hib, Hepatitis B).

Die Grundimmunisierung erfolgt dabei in 4 Teilimpfungen: Die ersten 3 Impftermine sollten im Alter von 2, 3 und 4 Monaten erfolgen, während die letzte Impfdosis in Monat 11-14 gegeben wird.

Impfschema bei der Windpocken-Impfung
Impfschema bei der Windpocken-Impfung

Die Impftermine kannst du mit deinem Baby separat oder auch zu den U-Untersuchungen vereinbaren. Dabei ist es wichtig, dass die Impfungen nach dem vorgegebenen Impfschema und Abständen durchgeführt werden.

Wann sollte die Polio-Impfung als Jugendlicher und Erwachsener aufgefrischt werden?

Die große Mehrzahl der Menschen in Deutschland hat als Kleinkind eine Grundimmunisierung gegen Polio erhalten. Für sie genügt daher eine Auffrischungsimpfung im Alter von 9 bis 16 Jahren. Diese kann auch als Kombinationsimpfung gegeben werden, die gleichzeitig gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (Pertussis) immunisiert. Danach ist keine weitere Auffrischungsimpfung mehr notwendig.

Eine Auffrischung wird für Menschen empfohlen, die berufsbedingt ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben oder in Regionen reisen, in denen noch Polio-Erkrankungen auftreten, sofern die letzte Impfung länger als 10 Jahre zurückliegt. Auch hier erfolgt die Auffrischungsimpfung meist in der Kombination mit Diphtherie, Tetanus und Pertussis.

Auch Erwachsene, die eine oder mehrere Teilimpfungen im Kindesalter versäumt haben, sollten diese schnell nachholen.

Wichtiger Hinweis
Kostenerstattung bei der Polio-Impfung

Die Kosten für die Polio-Impfung werden bei Säuglingen im Rahmen der 6-fach-Impfung vollständig erstattet. Dasselbe gilt auch für die Auffrischungsimpfung im Jugend- und Erwachsenenalter in der Kombination mit Diphtherie, Tetanus und Pertussis. Auch bei einer ggfs. notwendigen Grundimmunisierung gegen Polio als Erwachsener werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Warum sollte ich heutzutage noch gegen Polio impfen lassen, wenn die Krankheit in Deutschland nicht mehr vorkommt?

Auch in Deutschland löste das Poliomyelitis-Virus bis Anfang der 1960er Jahre regelmäßig epidemieartige Krankheitswellen mit tausenden Betroffenen aus, davon hauptsächlich Kinder. Dank der erfolgreichen, flächendeckenden Einführung der Polio-Impfung in Deutschland und vielen europäischen Ländern Anfang der 1960er Jahre ist das Virus hierzulande vollständig zurückgedrängt worden. Zuletzt wurde eine Erkrankung, die durch einen sogenannten Wildvirus ausgelöst wurde, im Jahr 1990 erfasst. 1992 wurden noch zwei importierte Fälle von Polio aus Ägypten und Indien gemeldet. Allerdings kommt es auch heutzutage in verschiedenen Regionen auf der Welt immer wieder mal aus verschiedenen Gründen zu einem erneuten Ausbruch.

Zurzeit sind Erkrankungen durch Polio-Viren in Pakistan, Afghanistan, Nigeria, Kamerun, Syrien, Israel, Irak, Äquatorialguinea, Äthiopien und Somalia bekannt. Im Großraum Europa kam es im Jahr 2010 das letzte Mal zu einem Polioausbruch: Ursprünglich aus Tadschikistan, breitete sich der Erreger bis nach Russland und Kasachstan aus. Da das Risiko nicht ausgeschlossen werden kann, dass Polio-Viren eingeschleppt werden, sollten du und dein Kind auch in einem Polio-freien Land wie Deutschland über einen vollständigen Impfschutz verfügen.1

Wichtiger Hinweis
Gut zu wissen: Wie lange soll ich nach der Impfung mit einer Schwangerschaft warten?

Wenn du gerade Nachwuchs planst, solltest du vorher deinen Impfstatus checken und eventuell bestimmte Impfungen auffrischen. Fehlt dir die Auffrischung gegen Polio, solltest du nach der Impfung etwa vier Wochen mit der Schwangerschaft warten.

Gibt es Nebenwirkungen auf die Polio-Impfung?

Nach einer Polio-Impfung muss sich das Immunsystem erstmal mit dem Impfstoff auseinandersetzen. Aus diesem Grund kann es zu verschiedenen Impfreaktionen kommen, wie zum Beispiel Schwellungen, Rötungen und Schmerzen an der Impfstelle. Auch Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schwindel oder Müdigkeit können auftreten. Möglich sind auch Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Bei kleinen Kindern kann es darüber hinaus ebenfalls zu unruhigem Verhalten, Schreien und Gereiztheit kommen. Doch kein Grund zur Sorge: Alle Impfreaktionen treten meist nur vorübergehend auf und klingen in der Regel nach wenigen Tagen folgenlos ab.

Wie kann ich mich mit Polio anstecken?

Polio-Viren vermehren sich im Körper eines Infizierten sowohl im Magen-Darm-Trakt als auch auf der Rachenschleimhaut. Das bedeutet, dass die Viren bereits 36 Stunden nach einer Ansteckung durch Husten, Niesen und Sprechen übertragen werden können. Nach etwa 3 Tagen wird der Erreger in großer Zahl auch über den Stuhl ausgeschieden. So können Polio-Viren bei schlechten hygienischen Bedingungen auch ins Trinkwasser gelangen.

Wer sich nach dem Toilettengang die Hände nicht wäscht, kann die Viren auch über zubereitete Speisen weiterverbreiten. Dabei können Erkrankte bis zu sechs Wochen, bei einer Immunschwäche sogar über Monate und Jahre noch ansteckend sein. Die Krankheit muss dabei noch nicht einmal ausgebrochen sein – bis zu 90 Prozent aller Infizierten bemerken keinerlei Krankheitsanzeichen oder verwechseln diese mit einem grippalen Infekt.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei Polio?

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung vergehen etwa 3 bis 35 Tage. Während die Krankheit bei den meisten Menschen ohne jegliche Krankheitszeichen abläuft, zeigt sie sich bei 5 bis 10 Prozent durch grippeähnliche Symptome, wie Fieber, Hals- und Kopfschmerzen. Gefährlich verläuft die Krankheit jedoch bei jedem hundertsten bis tausendsten Erkrankten. In dem Fall greifen die Viren das Rückenmark an, befallen das zentrale Nervensystem im Körper und lösen dort eine dauerhafte Entzündung aus. Dadurch kann es zu bleibenden, schlaffen Lähmungen der Arm- oder Beinmuskulatur kommen.

Zusätzlich kann auch eine lebensbedrohliche Gehirnhautentzündung (Meningitis) entstehen und die Sprech-, Schluck- oder Atemmuskulatur betroffen sein. In Folge der bleibenden Lähmungen leiden Polio-Erkrankte auch häufig unter Muskelschwund, vermindertem Knochenwachstum oder Gelenkzerstörung. Auch Jahrzehnte später können nach einer durchgemachten Polio-Infektion noch Muskelschmerzen und Lähmungen auftreten oder bereits vorhandene verstärken (Post-Polio-Syndrom). Da die Polio-Erkrankung durch Viren ausgelöst wird, kann man auch heute noch weder die Erkrankung selbst, noch ein später auftretendes Post-Polio-Syndrom behandeln oder heilen.

Quellen:

1 Robert Koch-Institut, Poliomyelitis (letzter Zugriff am: 30.10.2018)