Polio Erreger (Poliomyelitis-Virus)

Polio, auch Kinderlähmung genannt, wird durch Poliomyelitis-Viren der Typen 1-3 ausgelöst (abgekürzt Polio-Viren)1, die sich vorwiegend im Magen-Darm-Trakt des Menschen befinden und sich dort vermehren.2 Der Mensch ist der einzige natürliche Wirt dieser Viren.2

Vor Einführung der Impfung war die Kinderlähmung (Poliomyelitis) auf der ganzen Welt verbreitet. Gerade auch in Europa waren Polio-Viren so stark präsent, dass meist schon Kinder in Kontakt mit dem Erreger kamen. Viele von ihnen erkrankten, was der Krankheit den Namen „Kinderlähmung“ gab.1

Im Jahr 1988 begann eine groß angelegte Impfkampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur weltweiten Ausrottung der Kinderlähmung (Polio). Ziel war es, die Viren bis zum Jahr 2000 zu eliminieren. Dies ist nicht ganz gelungen. Doch immerhin 80 Prozent der Weltbevölkerung leben in poliofreien Gebieten.1

In Deutschland wurde die letzte Polioerkrankung, die durch einen Wildvirus ausgelöst wurde, im Jahr 1990 erfasst. 1992 wurden noch zwei importierte Fälle von Polio aus Ägypten und Indien registriert1. Dieser massive Erkrankungsrückgang ist dem breiten Einsatz der Polio-Schluckimpfung zu verdanken.

Polio-Wildviren treten zurzeit nur noch in Pakistan und Afghanistan auf. Allerdings kam es auch in der Region Europa im Jahr 2010 erneut zu Erkrankungen mit Polio nach einem Polioausbruch in Tadschikistan und der Weiterverbreitung der Viren nach Russland, Turkmenistan und Kasachstan.1

Wegen des Risikos der Einschleppung von Polioviren müssen auch in poliofreien Ländern nach wie vor hohe Impfquoten gehalten werden, bis die Erkrankung weltweit ausgerottet ist. Gerade Reisende in Polio-Risikogebiete sollten über einen belastbaren Impfschutz verfügen.1

Das Wort Poliomyelitis kommt aus dem Griechischen. Es steht für „grau“ (polios) und „Entzündung des Rückenmarks“ (myelitis) und beschreibt damit schon im Namen, was während der Erkrankung passiert: Polio-Viren befallen hauptsächlich Teile des sogenannten grauen Rückenmarks, was dauerhafte Lähmungen auslösen kann.2

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung vergehen etwa drei bis 35 Tage. Etwa 95 Prozent der Polio-Infizierten bemerken keinerlei Krankheitszeichen. Etwa 5 Prozent erleben Polio als vermeintliche (Sommer-) Grippe mit Fieber, Hals- und Kopfschmerzen. Dramatisch ist die Erkrankung bei jedem hundertsten bis tausendsten Infizierten. Hier kann es zu bleibenden, schlaffen Lähmungen der Arm- oder Beinmuskulatur kommen. Weiterhin kann die Sprech-, Schluck- oder Atemmuskulatur betroffen sein.3

Wegen der bleibenden Lähmungen können Polio-Patienten auch unter Muskelschwund, vermindertem Knochenwachstum oder Gelenkzerstörung leiden. Sogar noch Jahrzehnte nach einer durchgemachten Polio-Infektion können Muskelschmerzen und Lähmungen auftreten. Man spricht dann von einem Post-Polio-Syndrom.3

Da eine Kinderlähmung (Poliomyelitis) durch Viren ausgelöst wird, kann man auch heute noch weder die Erkrankung selbst noch das Post-Polio-Syndrom ursächlich behandeln. Wenn Lähmungserscheinungen aufgetreten sind, können sich diese auch noch Jahre später verstärken.3

Der Übertragungsweg von Polio-Viren nennt sich in der Fachsprache „fäkal-oral". Das bedeutet, dass winzige Kotverunreinigungen in den Mund gelangen. Dies ist leicht möglich, wenn zum Beispiel nach dem Stuhlgang die Hände nicht gewaschen werden und der Betreffende im Anschluss frische Speisen zubereitet. Auch verschmutztes Trinkwasser kann eine potenzielle Gefahrenquelle sein.3

Polio-Viren vermehren sich auch auf der Rachenschleimhaut. So ist für kurze Zeit eine Ansteckung über Tröpfcheninfektion möglich3: Bereits 36 Stunden nach der Infektion können Polio-Viren durch Husten und Niesen übertragen werden.2 Etwa 72 Stunden nach Infektion werden die Viren massiv über den Stuhl ausgeschieden. So können sie bei schlechten hygienischen Bedingungen ins Trinkwasser gelangen und bei mangelnder Körperhygiene in die Nahrung oder Getränke.

Patienten, die an Kinderlähmung (Polio) erkrankt sind, können andere Menschen anstecken, solange sie Viren über den Stuhl ausscheiden. Dies dauert in der Regel ein bis sechs Wochen. Wenn das Immunsystem defekt ist, können Polio-Patienten auch über Monate und Jahre Viren verbreiten.2

Schwangere, deren Immunsystem Polio-Antikörper (spezielle Eiweiße des Immunsystems) gebildet hat, übertragen diese während der Schwangerschaft auf ihre Kinder, so dass die Säuglinge in den ersten Lebensmonaten gegen Kinderlähmung geschützt sind.2

Wenn Schwangere über schützende Polio-Antikörper verfügen, können Sie diese während der Schwangerschaft auf ihr Baby übertragen. Damit haben Säuglinge in den ersten Lebensmonaten einen natürlichen Schutz gegen Kinderlähmung.2 Weil sich diese Antikörper abbauen, ist eine Impfung die einzig wirksame langfristige Vorsorge gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis).

Impfung von Erwachsenen und Reisenden

Da die Polio weltweit noch nicht ausgerottet ist, sollte auch jeder Erwachsene noch über einen belastbaren Impfschutz verfügen. Sollten Erwachsene noch nie oder nur unvollständig gegen Polio geimpft sein, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Nachholung der Grundimmunisierung. Dies gilt auch für Erwachsene, die nach ihrer Impfung in der Kindheit noch nie eine Auffrisch-Impfung erhalten haben.2

Allen Erwachsenen, die – z. B. berufsbedingt – ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben, wird eine routinemäßige Auffrisch-Impfung alle zehn Jahre empfohlen. Gleiches gilt für Erwachsene, die in Regionen reisen, in denen noch Polio-Erkrankungen auftreten.2

1 www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Poliomyelitis.html, abgerufen am 17.03.2016
2 www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/kinderlaehmung-poliomyelitis/uebertragung/, abgerufen am 17.03.2016
3 www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-kinder-0-12-jahre/polio-kinderlaehmung/infektion/#/jfmulticontent_c33110-3, abgerufen am 17.03.2016