Hepatitis Erreger (Hepatitis-Viren)

Hepatitis A-Viren

Hepatitis A ist eine infektiöse Gelbsucht, die von Hepatitis A-Viren verursacht wird. Die Viren sind relativ unempfindlich gegen Wärme und Kälte sowie gegen Desinfektions- und Putzmittel,1 was zu ihrer weiten Verbreitung beiträgt.

Hepatitis B-Viren

Hepatitis B ist eine Entzündung der Leber, die durch Viren ausgelöst wird. 1970 wurden die Hepatitis B-Viren („Australia-Antigen“) entdeckt.2

Hepatitis A

Hepatitis A-Viren sind weltweit verbreitet. Die Erkrankung kann als Einzelfall oder als Epidemie vorkommen. Nahezu alle Menschen, die in Entwicklungsländern aufwachsen, erkranken bereits im Kinder- und Jugendalter.1

Aufgrund der hohen Hygienestandards in den industriell entwickelten Ländern Europas oder in Nordamerika sind Hepatitis-A-Erkrankungen hier stark zurückgegangen. Etwa die Hälfte der in Deutschland gemeldeten Hepatitis A-Fälle werden als „Reise-Hepatitis" eingeschleppt. Ein Infektionsrisiko besteht in Europa nach wie vor für den gesamten Mittelmeerraum und Osteuropa.1

Hepatitis B

Hepatitis B ist stark verbreitet.3 Sie gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt.2 Weltweit haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ca. zwei Milliarden Menschen eine Hepaititis-B-Infektion durchgemacht. Etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung sind chronisch mit Hepatitis B infiziert.2

In Deutschland sind etwa 500.000 Menschen chronisch an Hepatitis B erkrankt.4 Und obwohl seit Anfang der 1980er Jahre gut wirksame Impfstoffe zur Verfügung stehen, stecken sich jährlich etwa 700 Menschen neu an. In Europa zählt man durchschnittlich 17.000 Hepatitis B-Neuerkrankungen pro Jahr.4

Hepatitis A

Hepatitis A ist eine Virusinfektion der Leber. Sie ist als „Gelbsucht“ aufgrund einer Gelbfärbung der Augäpfel und Haut erkennbar.5 Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung vergehen ca. 15-50 Tage, im allgemeinen 25-30 Tage.1 Hepatitis A-Patienten, die sich im Urlaub infiziert haben, erkranken daher häufig erst, wenn sie wieder zu Hause sind.

Gerade bei Kindern verläuft eine Hepatitis A-Erkrankung meistens unbemerkt oder sehr leicht. Für Erwachsene sieht der Verlauf anders aus: Während des akuten Stadiums leiden sie an den unangenehmen Beschwerden einer Allgemeininfektion. Dies können andauernde Kreislaufprobleme, Schwäche, Übelkeit, Durchfall oder psychische Reaktionen sein. Auch wenn Todesfälle aufgrund einer Hepatitis A extrem selten sind, bedingt die Erkrankung doch eine über Monate andauernde Arbeitsunfähigkeit.5

Es ist derzeit nicht möglich, die virale Erkrankung Hepatitis A kausal mit Medikamenten zu behandeln. Jedoch können – wie bei anderen Virusinfektionen auch – die Erkrankungssymptome gelindert werden (Kreislaufstütze, leichte Diät, Bettruhe, allgemeine Pflege).5

Sollten Sie sich nach einer Reise in eine Hepatitis A-gefährdete Regionen fiebrig oder „grippig“ fühlen, informieren Sie Ihren Arzt über Ihren Urlaub und lassen Sie Ihre Leberwerte kontrollieren. Vermeiden Sie Alkohol, da dieser eine mögliche Hepatitis A-Infektion verschlimmern kann.

Hepatitis B

Ein bis sechs Monate nach der Ansteckung zeigen sich erste, unspezifische Krankheitssymptome der Hepatitis B. Die Patienten leiden unter Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen und/oder Fieber.2 Drei bis zehn Tage später beginnt bei etwa einem Drittel der Erkrankten3 die nächste Erkrankungsphase. Hier färbt sich der Urin dunkel und es kommt zu der klassischen Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und der Bindehaut der Augen.2 Diese Gelbfärbung hat der Hepatitis B ihren landläufigen Namen, Gelbsucht, gegeben. Die Gelbfärbung entsteht durch eine Bilirubin-Anhäufung infolge einer Fehlfunktion der Leber.

Bei den meisten Hepatitis B-Patienten verläuft die Erkrankung unbemerkt.3 Eine Hepatitis B kann aber auch schwere und fulminante Verlaufsformen hervorrufen und erst nach Monaten ausheilen oder sogar chronisch werden.3

Eine chronische Hepatitis B wird häufig zunächst nicht bemerkt, weil die Symptome unauffällig sein können.
3 Trotzdem wird die Leber der Patienten zunehmend geschädigt. Es kann zu Leberzirrhose und Leberkrebs kommen. Außerdem besteht die Gefahr, dass chronische Hepatitis B-Träger andere anstecken.

Es gilt: Je jünger die Infizierten sind, desto höher ist die Gefahr einer chronischen Verlaufsform. Bei Neugeborenen liegt sie bei 90 Prozent. Kleinkinder leiden zu 40 bis 70 Prozent an einem chronischen Verlauf, Kinder im Vorschulalter zu zehn bis 40 Prozent.3

Welchen Verlauf eine Hepatitis B-Erkrankung nimmt, ist abhängig vom Immunsystem des Infizierten. Je weniger die Immunabwehr dem Hepatitis B-Virus entgegenwirkt, desto besser kann es sich verbreiten.2 Auch bei Menschen mit einem gesunden Immunsystem dauert der Aufbau von schützenden Antikörpern etwa ein bis sechs Monate. Schon vor Ausbruch der Erkrankung sind Hepatitis B-Infizierte daher hoch infektiös2 und können andere, ungeschützte Personen anstecken.

Achtung Leberkrebs: Eine chronische Hepatitis B-Infektion erhöht das Risiko für die Entwicklung eines Leberzellkarzinoms gegenüber der Normalbevölkerung um den Faktor 100.2

Hepatitis A

Die Übertragung von Hepatitis-A-Viren erfolgt über Kontakt- und Schmierinfektionen. Fachleute sprechen von einer fäkal-oralen Infektion. Hierbei werden Viren über den Stuhl infizierter Personen ausgeschieden und gelangen aufgrund mangelnder Hygiene in Lebensmittel, Trinkwasser oder auf Gegenstände. So entsteht das Risiko, dass sie den Mund ungeschützter Personen erreichen. Besonders belastet können Muscheln oder Austern sowie mit Fäkalien gedüngtes Gemüse oder Salate sein.1

Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht auch in Gemeinschaftseinrichtungen sowie bei Männern, die Sex mit Männern haben.1

Hepatitis A-Patienten sind ein bis zwei Wochen vor und bis zu einer Woche nach Auftreten der Gelbfärbung von Haut oder Augäpfeln ansteckend. Infizierte Säuglinge können Hepatitis A-Viren über mehrere Wochen im Stuhl ausscheiden.1

Hepatitis B

Hepatitis B-Viren finden sich im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten infizierter Personen. Sie werden hauptsächlich auf sexuellem Weg oder durch Kontakte mit Blut oder Sekreten infizierter Personen übertragen.3 Hepatitis B-Viren sind 100-mal infektiöser als HIV (AIDS).4 Daher ist es wichtig, gerade Jugendliche durch eine Impfung vor Hepatitis B zu schützen, da in diesem Alter noch häufig die Sexualpartner wechseln.

Auch infizierte Schwangere können Hepatitis B-Viren während Schwangerschaft oder Geburt auf ihr Baby übertragen.3 Pro Jahr werden nach Schätzungen 2.800 bis 5.600 Kinder von Müttern geboren, die das Virus in sich tragen.4

Hepatitis B-Viren werden durch kleinste Mengen von Blut, Speichel oder andere Körperflüssigkeiten übertragen. Sie können durch winzige Verletzungen der Haut oder der Schleimhäute in den Körper eindringen.4
  
Im Alltag bedeutet das, dass sich Menschen zum Beispiel durch das gemeinsame Benutzen von Gegenständen wie Nagelscheren, Rasierapparaten oder Zahnbürsten anstecken können. Ein Ansteckungsrisiko besteht auch beim Tätowieren, beim Piercing oder Ohrlochstechen unter unsauberen Bedingungen.4

Prüfen Sie gerade im Ausland vor einem Tattoo oder Piercing die hygienischen Gegebenheiten des Tattoo-Studios. Sauberkeit hat oberste Priorität.

Hepatitis A

Zum Schutz gegen Hepatitis A stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung, die einzeln oder in Kombination mit einer Hepatitis B-Impfung verabreicht werden können.

Je nach Impfstoff sind für den Aufbau eines langfristigen Impfschutzes zwei oder drei Impfungen erforderlich. Eine Auffrischimpfung sollte frühestens nach zehn Jahren erfolgen.
 
Die Impfung gegen Hepatitis A ist empfohlen für:

  • Reisende in Länder mit erhöhtem Hepatitis A-Vorkommen (Südosteuropa, Asien, Afrika, Mittel- oder Südamerika)
  • Berufstätige im Gesundheitsdienst sowie in Kindertagesstätten, Kinderheimen
  • Berufstätige in Berufen mit Abwasserkontakt (Kanalisations- und Klärwerkarbeiter) etc.
  • Patienten mit Krankheiten der Leber bzw. mit Leberbeteiligung
  • Patienten mit häufiger Übertragung von Blut oder Blutbestandteilen6

Weitere Maßnahmen zum Schutz gegen Hepatitis A:

  • Kochen Sie Trinkwasser vor dem Verzehr ab oder greifen Sie auf Mineralwasser zurück
  • Vermeiden Sie in gefährdeten Regionen risikoreiche Nahrungsmittel (Muscheln, Austern, rohes Gemüse, Salat)
  • Vermeiden Sie den direkten Kontakt zu Hepatitis A-Patienten, wenn Sie selbst keinen Impfschutz oder natürlichen Hepatitis A-Schutz besitzen
  • Achten Sie auf ausgeprägte Hygiene, insbesondere im Bereich der Toilette

Hepatitis B

Zum Schutz gegen Hepatitis B stehen wirksame Impfstoffe zur Verfügung, die bereits im Säuglingsalter gegeben werden können. Für viele Eltern ist das irritierend, da die Viren ja überwiegend durch Sexualkontakte weitergegeben werden. Warum sollten also schon Säuglinge eine Hepatitis B-Impfung erhalten? Die Antwort ist einfach: Erstens sind Erkrankungen im Säuglingsalter zwar selten, verlaufen jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit chronisch. Zweitens ist es ungleich schwieriger, die große Gruppe der Teenager zu impfen. Wenn Sie möchten, dass Ihr Kind vor Hepatitis B geschützt ist, ist eine Impfung im Babyalter der sicherste Weg, rechtzeitig einen Schutz aufzubauen.3 

Impfschutz für Babys und Kleinkinder

Die Experten der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfehlen die Impfung gegen Hepatitis B bei Babys und Kindern ab der neunten Lebenswoche. Eine zweite Impfung erhalten die Kinder mit vollendetem drittem Lebensmonat. Die dritte Dosis folgt ab dem vollendeten vierten Lebensmonat und am Ende des ersten Lebensjahres (11.-14. Lebensmonat) wird die vierte Teilimpfung gegeben.

Die Hepatitis B-Impfung ist Teil der Sechsfach-Kombinations-Impfung, mit welcher Kinder mit einer Impfung gleichzeitig gegen sechs verschiedene Erkrankungen geschützt werden (DiphtherieTetanusKeuchhustenKinderlähmungHibHepatitis B).

Impfschutz für Jugendliche

Kinder und Jugendliche zwischen neun und 17 Jahren, die im Babyalter keine Hepatitis B-Impfung erhalten haben, sollten möglichst vor Einsetzen der Pubertät gegen Hepatitis B geimpft werden.2 Für einen langanhaltenden Impfschutz benötigen sie zwei bis drei Impfungen (je nach Alter und Impfstoffkombination). Danach muss die Hepatitis-B-Impfung nicht mehr aufgefrischt werden.4

Impfschutz für Erwachsene

Auch für Erwachsene, die einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind (zum Beispiel medizinisches Personal, Beschäftigte im Gesundheitswesen), ist eine Impfung gegen Hepatitis B empfohlen.

Zusätzlich sollte medizinisches Personal bei allen Patientenkontakten die Schutzmaßnahmen der Standardhygiene beachten.2

1 www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisA.html#doc2374552bodyText5
2 www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisB.html;jsessionid=B09B4F363B945E433385BDEE5052CDBC.2_cid290 ,abgerufen am 17.03.2016
3 www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-kinder-0-12-jahre/hepatitis-b/infektion/ ,abgerufen am 17.03.2016
4 www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/hepatitis-b/was-ist-hepatitis-b/ ,abgerufen am 17.03.2016
5 Auswärtiges Amt, Gesundheitsdienst, Merkblatt für Beschäftigte und Reisende, Hepatitis A, Stand 07/07
6 www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/HepatitisA/FAQ-Liste_HepA_Impfen.html