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Impfen bei Frühgeborenen

Wollte dein Kind etwas zu früh auf die Welt? Gerade bei Frühchen macht man sich häufig viele Gedanken um das Thema Vorsorge. Verständlich, frühgeborene Babys sind ja häufig besonders klein und zart, selbst wenn sie nicht in den Brutkasten müssen. Doch gerade deshalb sind Impfungen besonders wichtig für Frühgeborene.

Der Sorge, das Immunsystem könne durch eine Impfung überfordert werden, widersprechen Kinderärzte klar.

Im Gegenteil - Frühgeborene haben eine höhere Infektionsgefahr und sollten deshalb zeitgerecht geimpft werden. Zudem gibt es ein paar Besonderheiten, wie die 4. Dosis der Pneumokokken-Impfung, auf die Eltern achten sollten.

Impfen bei Frühchen – ja oder nein?

Jedes Jahr kommen in Deutschland 60.000 – 70.000 Babys vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Damit gelten sie als Frühgeborene. Fast jedes 10. Neugeborene ist damit ein Frühgeborenes.1 Egal ob dein Kind in der 35. Schwangerschaftswoche als spätes Frühgeborenes oder in der 28. geboren wurde – Frühgeborene haben grundsätzlich eine höhere Infektionsgefahr als sogenannte reifgeborene Kinder. Deshalb ist ein rechtzeitiger Impfschutz besonders wichtig.

Impfen bei Frühgeborenen

Warum sind Impfungen bei Frühgeborenen noch wichtiger?

Was bedeutet es, dass Frühgeborene eine höhere Infektionsgefahr haben? Sie erkranken häufiger an schweren Infektionen als reifgeborene Babys. Grund dafür ist, dass ihre Immunabwehr noch nicht ausgereift ist. Meistens fehlt den Kleinsten außerdem auch der Nestschutz. Dabei werden die Abwehrstoffe der Mutter an den Fötus weitergegeben. Das passiert allerdings erst ab der 32. Schwangerschaftswoche. Ist das Baby also vorher „geschlüpft“, fehlt dieser Abwehrschutz komplett.

Ein Teil dieser Immunschwäche kann durch die Muttermilch ausgeglichen werden. Um aber vor schwerwiegenden Infektionskrankheiten zu schützen, muss der Aufbau der Antikörper unterstützt werden. Genau das macht eine Impfung2.

Hinzu kommen weitere Risikofaktoren, wie zum Beispiel eine sehr verletzliche Haut. Auch die Pflege im Inkubator, also im Brutkasten, kann das Wachstum von Keimen begünstigen. Probleme bei der Atmung treten bei Frühgeborenen ebenfalls vermehrt auf.

Über die Lunge können Bakterien, wie zum Beispiel Pneumokokken, in den Körper gelangen und schwerwiegende Infektionskrankheiten auslösen. Das gilt auch für weitere Erreger: Viele Erkrankungen, wie zum Beispiel Meningokokken -Infektionen, Keuchhusten oder Hib, verlaufen bei Frühchen besonders schwerwiegend und können zu Folgeschäden führen. Doch genau diesen Krankheiten können Impfungen vorbeugen.3

Wann soll ich mein frühgeborenes Baby impfen lassen?

Frühgeborene werden häufig aus Sorge vor einer Überlastung des Immunsystems zu spät geimpft. Sie sollten aber ganz normal, wie andere Babys auch, nach dem empfohlenen Impfalter geimpft werden.

Das heißt, es gilt nicht das korrigierte Reifealter, sondern das tatsächliche Alter. Die ersten Impfungen sind daher im Alter von 2 Lebensmonaten empfohlen. Bei frühen Frühgeborenen findet daher die Impfung idealerweise noch im Krankenhaus statt. Bei späten Frühgeborenen (34. bis 36. Schwangerschaftswochen) impft in der Regel der Kinderarzt oder die Kinderärztin.

Welche Impfungen werden für Frühgeborene empfohlen?

Frühgeborene sollten wie andere Babys auch nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut geimpft werden. Als Leitlinie, welche Impfung wann ansteht, gilt der Impfkalender.

Zusätzlich gibt es ein paar Besonderheiten, die Kinderarzt und Eltern bei einem Frühchen beachten sollten. Das Immunsystem eines Frühgeborenen ist schwächer, so dass es sein kann, dass die Impfwirkung geringer ist, als bei anderen Babys. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass Frühgeborene alle empfohlenen Impfdosen erhalten und auch später die Auffrischungsimpfungen nicht vergessen werden.

Sollten Frühgeborene gegen Rotaviren geimpft werden?

Die erste Impfung, die ansteht, ist in der Regel die Rotaviren-Impfung. Frühgeborene haben auch für diese Virus-Infektion ein erhöhtes Risiko im Krankenhaus stationär behandelt werden zu müssen. Deshalb empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Rotaviren auch für Frühgeborene ab einem Alter von 6 Wochen nach der Geburt. Die Rotavirus-Impfstoffe können Frühchen in der gleichen Dosierung wie anderen Babys gegeben werden. Das gilt, je nach Impfstoff, für alle Säuglinge, die nach der 25. bzw. 27. Woche geboren wurden. Kam dein Kind vorher auf die Welt, besprichst du am besten mit deiner Neonatologin bzw. deinem Neonatologen, wann der richtige Zeitpunkt für die Impfungen ist.3

Welche Besonderheiten müssen beachtet werden?

Durch die häufig noch nicht vollständig ausgereifte Lunge haben Frühgeborene auch ein erhöhtes Risiko für Pneumokokken -Infektionen.2 Um diesen vorzubeugen, gibt es eine Besonderheit im Impfschema: Frühgeborene erhalten 4 Impfdosen gegen Pneumokokken anstelle von 3 bei reifgeborenen Babys. Die Impfungen sollen dabei in Monat 2, 3, 4 und 11-14 nach der Geburt erfolgen.4

Wichtig ist, dass auch die „späten“ Frühgeborenen (34-36 Schwangerschaftswochen) vier Pneumokokken-Impfungen erhalten. Auch wenn sie sich auf den ersten Blick häufig nicht von reifgeborenen Babys unterscheiden, sind sie infektanfälliger und brauchen einen zusätzlichen Impfschutz.

RSV-Prophylaxe

Zudem wird für manche Frühchen eine RSV-Prophylaxe empfohlen. Vor dem RS-Virus, der Atemwegsinfekte verursacht, sollte z.B. bei Frühgeborenen mit Herz- oder Lungenerkrankungen durch eine passive Impfung vorgebeugt werden. Das Baby bekommt dafür im Winter jeden Monat eine Spritze. Besprich doch mit deiner Kinderärztin bzw. deinem Kinderarzt, ob er diese Vorsorgemaßnahme für dein Kind empfiehlt.

Mein Kind ist doch noch so klein – überlasten Impfungen nicht sein Immunsystem?

Ist mein Baby nicht zu schwach für eine Impfung? Das hat doch schon zu viel mit sich zu tun? Verständlicherweise stellt man sich als Mama oder Papa genau diese Fragen. Doch Studien konnten feststellen, dass Frühchen von Impfungen sogar noch stärker profitieren als andere Babys.5 Denn Impfungen können der erhöhten Infektionsgefahr entgegenwirken.

Der kleine Organismus bekommt ein bisschen Arbeit durch die Impfung, er muss schließlich Antikörper bilden. Im Vergleich dazu ist ohne Impfung das Risiko einer Infektion mit einer schwerwiegenden Erkrankung bei Frühchen erhöht. Das Kind profitiert also letztendlich von der Impfung. Auch Kombinationsimpfstoffe wie die 6-fach Impfung sind für Frühgeborene in der Regel gut verträglich, nicht anders als bei Reifgeborenen.

Grundsätzlich leiden Frühgeborene nicht häufiger an Nebenwirkungen als andere Babys. Dazu gehören leichte Impfreaktionen wie Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle, Rötungen oder Fieber. Diese Reaktionen sind lediglich ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem reagiert.6

Bei Frühgeborenen können nach einer Impfung zudem Atemstörungen (Apnoen) oder „langsamer Herzschlag” (Bradykardien) vorkommen. Beides kann vor allem bei extrem Frühgeborenen (in oder vor der 28. Schwangerschaftswoche) auftreten. Deshalb geht man hier einfach auf Nummer sicher: Sie sollten die erste(n) Impfung(en) in der Klinik bekommen. Hier wird die Atmung überwacht.

Eine Impfung ist kein Grund zur Sorge. Dein Neonatologe bzw. deine Neonatologin bespricht das beste Vorgehen für dein Kind gerne mit dir.6 Auch Leitlinien der Kinderärztlichen Gesellschaften geben hier Empfehlungen, wann die Impfung in der Klinik und wann beim Kinderarzt erfolgen soll.