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Impfschutz bei Organtransplantation

Versagt ein Organ oder wird es zerstört, ermöglicht die moderne Medizin heutzutage die Übertragung von Organen wie Nieren, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Hinzu kommen verschiedene transplantierbare Gewebe wie Augenhornhaut oder Herzklappen.So wurden in Deutschland im Jahr 2017 insgesamt 3.383 Organe transplantiert, darunter vor allem Nieren (1.334), Lebern (674), Lungen (264) und Herzen (251)1

Eine Organtransplantation kann Leben retten und die Lebensqualität von Patienten deutlich verbessern.

Nach einer Organtransplantation erhalten Patienten sogenannte „Immunsuppressiva“. Diese Medikamente sollen die Arbeit des Immunsystems unterdrücken, um eine Abstoßung des neuen Organs durch eine Abwehrreaktion des Körpers zu verhindern. Damit verbunden ist jedoch auch eine Schwächung der eigenen Abwehr und somit eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte wie Lungenentzündung, Grippe oder weitere ernstzunehmende Erkrankungen. Ein umfassender Impfschutz, zum Beispiel gegen Pneumokokken (Lungenentzündung) und Grippe (Influenza), ist für sie daher besonders wichtig. Hinzu kommt: Impfungen können Menschen nach einer Organtransplantation die Angst vor zusätzlichen Krankheiten nehmen – das steigert die Lebensqualität und Lebensfreude.

Welchen Einfluss hat eine Immunsuppression nach einer Organtransplantation auf unser Immunsystem? Und warum ist der Impfschutz für Patienten mit Immunsuppression so wichtig? 

In diesem Artikel:

Organtransplantation und Einfluss auf das Immunsystem

Bei einer Organtransplantation wird ein geschädigtes oder nicht mehr funktionierendes Organ durch ein neues Organ ersetzt. Der Erfolg einer Transplantation hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie das Immunsystem des Empfängers auf das Spenderorgan reagiert. Zunächst einmal ist jeder Fremdkörper für unser Immunsystem ein unerwünschter Eindringling, der bekämpft werden muss. Somit löst auch ein neues Organ grundsätzlich eine heftige Abwehrreaktion aus, die zu einer Abstoßung des Transplantats führt. Doch je besser die Gewebemerkmale, sogenannte HLA-Merkmale (Humane Leukozyten-Antigene), eines Spenders zum Empfänger passen, desto eher akzeptiert das Immunsystem das neue Organ. Trotzdem: Auch bei einer hohen Übereinstimmung der HLA-Merkmale lässt sich eine Abwehrreaktion des Immunsystems nicht immer vermeiden.

Nach einer Organtransplantation ist es daher unumgänglich, das Immunsystem zu hemmen, um einer Abstoßung des Organs bzw. einem Transplantatverlust vorzubeugen. So erfolgt – in der Regel lebenslänglich – eine sogenannte immunsuppressive Therapie, die vom Patienten strikt eingehalten werden muss. Ziel der Behandlung ist es, die Abwehrreaktion des Empfänger-Immunsystems auf das fremde Organ zu unterdrücken. Um die Aktivität des Immunsystems zu hemmen, kommt eine Kombinationstherapie mit verschiedenen Immunsuppressiva zum Einsatz. Meist werden Medikamente verschiedener Substanzklassen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen kombiniert. Durch die Unterdrückung des Abwehrsystems mittels immunsuppressiver Therapien steigert sich allerdings auch die Infektanfälligkeit des Transplantat-Empfängers.

Arzt bei Sprechstunde

Je höher die immunsupprimierenden Medikamente dosiert sind, desto größer ist das Infektionsrisiko. Besonders hoch ist das Risiko in den ersten Monaten nach einer Transplantation, weil der Patient in dieser Zeit in der Regel mehr Immunsuppressiva einnehmen muss.

Infektanfälligkeit nach Organtransplantation und Vorbeugung gegen Krankheiten

Die immunsuppressive Therapie, mit der das Abwehrsystem eines Organempfängers unterdrückt wird, macht diese Patienten deutlich anfälliger für Infekte. So haben sie zum Beispiel ein erhöhtes Risiko, an einer Pneumokokken-Infektion zu erkranken. Pneumokokken-Bakterien können Krankheiten wie Lungenentzündung, Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung auslösen. Patienten mit Organtransplantation haben ein durchschnittlich 15,6-fach so hohes Risiko für eine Pneumokokken-Infektion wie gesunde Menschen2. Hinzu kommt: Die Immunsuppression verstärkt die Gefahr schwerer Krankheitsverläufe3. Außerdem können einige Infektionen das Risiko einer Abstoßung oder Fehlfunktion des Transplantats erhöhen.

Infektanfälligkeit nach Organtransplantation und Vorbeugung gegen Krankheiten
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bspw. eine Pneumokokken-Impfung für Organtransplantierte, um das Infektionsrisiko zu senken.

Impfung gegen Pneumokokken

Aus dem Grund empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission) Menschen, die aufgrund einer Organtransplantation eine immunsuppressive Therapie erhalten, eine sequenzielle Impfung gegen Pneumokokken4. Sequenziell bedeutet, dass innerhalb eines bestimmten Zeitraums mehrere Impfungen verabreicht werden, um den Impferfolg vollständig und über einen möglichst langen Zeitraum zu gewährleisten. Eine sequenzielle Pneumokokken-Impfung erfordert zwei Impfungen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten2.

Für Organtransplantierte gilt außerdem: Direkt nach der Transplantation kann der Körper wegen der starken Immunsuppression nicht auf Impfungen reagieren. Impfungen sollten daher frühestens nach sechs bis zwölf Monaten erfolgen, wenn die Immunsuppression in der Erhaltungstherapie vermindert ist (Ausnahme Influenza-Impfung).

Diese Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.5

Nach Organtransplantation achtsam impfen

Grundsätzlich ist ein umfassender Impfschutz für Menschen, die ein Spenderorgan und damit verbunden Immunsuppressiva erhalten, besonders wichtig. Gemeinsam mit ihrem behandelnden Haus- oder Facharzt sollten Patienten sowohl vor der Transplantation als auch danach regelmäßig ihren Impfstatus abklären und einen Impfplan erstellen. 

Generell sollten für die Planung einer individuellen Impfstrategie im Patienten-Arzt-Gespräch unter anderem folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • allgemeiner Gesundheitszustand
  • Impfstatus laut Impfpass
  • rechtzeitige Planung notwendiger Impfmaßnahmen im Vorfeld einer Organtransplantation bzw. immunsuppressiven Therapie
  • sofern angezeigt, Kontrolle der Antikörperkonzentrationen im Blut (Titerkontrolle) hinsichtlich relevanter Infektionskrankheiten – auch zur Kontrolle des Impferfolgs
  • Lebensumstände des Patienten, die ein erhöhtes Infektionsrisiko bergen, zum Beispiel medizinischer Beruf, geplante Reisen oder erkrankte nahestehende Personen
Nach Organtransplantation achtsam impfen
Vor und nach einer Organtransplantation sollten Arzt und Patient über die Impfplanung sprechen.
Impfbuch
Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem sind die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen enorm wichtig.

STIKO-Impfempfehlungen für Menschen mit transplantierten Organen  

Die STIKO empfiehlt Menschen mit Immunsuppression neben der Impfung gegen Pneumokokken auch Impfungen gegen Grippe (Influenza), Hepatitis B und gegen Meningokokken. In Abhängigkeit von Gesundheitszustand und Lebensumständen des Patienten sind zudem weitere Impfungen angezeigt.
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Hier erfahren Sie mehr über die Impfempfehlungen der STIKO für Menschen mit einer Immunschwäche.