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Impfungen bei Immunschwäche ​​​​​​

Impfungen zählen zu den wichtigsten medizinischen Vorsorgemaßnahmen zur Vermeidung von zahlreichen Krankheiten – das gilt für gesunde Menschen und in besonderem Maße für Menschen mit einer Immunschwäche.

Dabei schützen Impfungen nicht nur die geimpfte Person selbst, sondern auch die Gemeinschaft. Denn Menschen können die Krankheit, gegen die sie geimpft wurden, nicht mehr auf andere übertagen, selbst wenn diese keinen Impfschutz haben. Man spricht hier auch von „Herdenimmunität“.

Besonders wichtig ist diese Herdenimmunität zum Beispiel für Babys, die zu jung für manche Impfungen sind, oder eben für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, die möglicherweise aufgrund ihrer Krankheit keinen umfassenden Impfschutz erhalten können. Um diesen Impfschutz für jeden Einzelnen und die Gemeinschaft zu gewährleisten, spricht die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut jedes Jahr anhand neuester medizinscher Erkenntnisse Impfempfehlungen aus. Diese enthalten auch spezielle Empfehlungen für Menschen mit Immunschwäche.1 Ärzten und Patienten dienen sie als wichtige Informationsquelle und Entscheidungshilfe bei der Planung einer individuellen Impfstrategie.

Patienten sollten mit ihrem Hausarzt oder Facharzt über ihren Impfstatus und eine für sie sinnvolle Impfplanung sprechen.Denn Menschen mit einem Immundefekt oder unter einer immunsupprimierenden Behandlung sollten trotz ihrer Erkrankung mit einem Gefühl der Sicherheit und ohne Angst vor zusätzlichen Infektionskrankheiten an einem aktiven Leben teilnehmen.

Welche Impfungen empfiehlt die STIKO für Menschen mit einer Immunschwäche und welche Besonderheiten gilt es zu beachten? Was kann man außerdem tun, um Krankheiten vorzubeugen? 

In diesem Artikel:

  • STIKO-Impfempfehlungen bei Immunschwäche

  • Lebendimpfstoffe und Totimpfstoffe

STIKO-Impfempfehlungen bei Immunschwäche

In ihren jährlichen Impfempfehlungen für Kinder und Erwachsene unterscheidet die STIKO zunächst zwischen Standardimpfungen und Indikationsimpfungen.

Standardimpfungen

Standardimpfungen sollten in der Regel bei allen Menschen durchgeführt werden. Die meisten dieser Impfungen werden bereits im Kindes- und Jugendalter durchgeführt und bei bestehender Grundimmunisierung im Erwachsenenalter aufgefrischt. Fehlt die Grundimmunisierung, sollte sie nachgeholt werden.

Für Patienten mit Immunschwäche empfiehlt die STIKO grundsätzlich alle Standardimpfungen bzw. die entsprechenden Auffrischungen für Erwachsene.1 Hierzu zählen Impfungen gegen Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis) und Tetanus1.

Impfbuch
Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem sind die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen enorm wichtig.

Indikationsimpfungen

Indikationsimpfungen empfiehlt die STIKO für Menschen, die aufgrund ihrer Lebensumstände verstärkt zusätzlichen Krankheitsrisiken ausgesetzt sind. Die Gründe hierfür können ganz unterschiedlich sein. So gibt es zum Beispiel Impfempfehlungen für verschiedene Berufsgruppen und auch für Reisen gelten je nach Reiseziel spezielle Impfvorgaben. Wichtig sind Indikationsimpfungen jedoch vor allem für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, da sie ein besonderes Schutzbedürfnis vor Infektionen haben. 

 

Die STIKO empfiehlt Patienten mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten bzw. bei einer Immunsuppression diese Indikationsimpfungen1

Diese Infektionskrankheiten können bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem einen gefährlichen oder sogar lebensbedrohlichen Verlauf nehmen und zu Komplikationen bei der vorliegenden Grunderkrankung führen. 

Generell gelten die Empfehlungen für die Indikationsimpfungen für alle immunsupprimierten Patienten mit Erkrankungen wie zum Beispiel:

  • Krebserkrankungen
  • chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • chronischer Niereninsuffizienz
  • Immunsuppression nach einer Organtransplantation
  • rheumatischen Erkrankungen
  • HIV-Infektion

Die Entscheidung, welche Impfungen im Einzelfall sinnvoll sind und zu welchem Zeitpunkt sie durchgeführt werden, sollten Patienten immer gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt oder Facharzt treffen. Dabei sind für die Planung einer individuellen Impfstrategie verschiedene Informationen und Gesundheitsparameter wichtig:

  • Form und Ausprägung des Immundefekts bzw. der Grunderkrankung des Patienten
  • laufende oder bevorstehende immunsuppressive Therapien und deren möglicher Einfluss auf geplante Impfungen
  • in Einzelfällen Kontrolle der Antikörper-Konzentrationen im Blut (Titerkontrolle) zur Überprüfung der Notwendigkeit einer Impfung oder als Erfolgskontrolle nach einer Impfung 
  • allgemeiner Gesundheitszustand sowie Lebensumstände des Patienten

Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem sind die von der STIKO empfohlenen Indikationsimpfungen enorm wichtig. Mit Hilfe dieser Impfungen können das Infektionsrisiko und damit einhergehende möglicherweise schwerwiegende Komplikationen deutlich reduziert werden. Hinzu kommt: Patienten bringt dieser Schutz mehr Sicherheit im Alltag und eine bessere Lebensqualität.

Dr. Frühwein (Impfexperte)

Lebendimpfstoffe und Totimpfstoffe

Die Eignung eines Impfstoffs für Menschen mit einer Immunschwäche hängt unter anderem auch von der Art des Impfstoffes ab. Grundsätzlich unterscheidet man hier zwei Arten: die Tot- und die Lebendimpfung. 

Totimpfstoffe enthalten entweder ganze abgetötete Erreger, Bruchstücke davon oder nur das Gift. Sie können keine Krankheit auslösen. In der Regel fallen mögliche Begleitreaktionen bei Impfungen mit Totimpfstoffen geringer aus als bei Lebendimpfstoffen. Deshalb gehören heute die meisten Impfstoffe zu dieser Kategorie. Allerdings lässt der Impfschutz mit der Zeit nach und muss regelmäßig aufgefrischt werden.

Totimpfstoffe sind für Menschen mit einer Immunschwäche in der Regel unbedenklich. Zu berücksichtigen ist auch: Je nach immunologischer Störung können die Immunantwort und der Impfschutz eingeschränkt oder gar nicht vorhanden sein.

Lebendimpfstoffe bestehen aus sehr geringen Mengen lebender Erreger. Sie sind so abgeschwächt, dass sie die Krankheit in der Regel nicht auslösen können. Bei manchen Lebendimpfungen hält der Schutz nach einer Grundimmunisierung lebenslang an. Äußerst selten kann die Impfung ähnliche Beschwerden wie die Krankheit selbst hervorrufen. Diese sind jedoch nur sehr schwach ausgeprägt und klingen nach wenigen Tagen ab. 

Lebendimpfstoffe sind laut STIKO für Patienten mit einer Immunschwäche sowie nach einer Organtransplantation grundsätzlich nicht geeignet.In Einzelfällen und nach Rücksprache mit dem Arzt können bei einer geplanten immunsuppressiven Therapie Lebendimpfstoffe vor Beginn der Therapie gegeben werden, sofern Erkrankung und Gesundheitszustand des Patienten dies zulassen.

Unsere Übersicht zeigt Ihnen, welche Standard-, Indikations- und Reiseimpfungen die STIKO für Personen mit Immundefekten empfiehlt. Anhand der Farben sehen Sie außerdem auf einen Blick, ob die Impfung generell für Patienten mit einer Immunschwäche geeignet ist. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt zu Ihrem individuellen Impfplan beraten.

Beratungsgespräch beim Arzt
Ein vollständiger Impfschutz bringt Patienten mehr Sicherheit im Alltag und eine bessere Lebensqualität.
Impfampel

Unsere Übersicht zeigt Ihnen, welche Standard-, Indikations- und Reiseimpfungen die STIKO für Personen mit Immundefekten empfiehlt. Anhand der Farben sehen Sie außerdem auf einen Blick, ob die Impfung generell für Patienten mit einer Immunschwäche geeignet ist. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt zu Ihrem individuellen Impfplan beraten.

Quellen:

1 Robert Koch-Institut, Epidemiologische Bulletin 34/18 (letzter Zugriff am: 14.02.2019)
2 Robert Koch-Institut, Epidemiologische Bulletin – Sonderdruck November 2005 (letzter Zugriff am: 14.02.2019)