Meningokokken-Impfung für ältere Kinder und Jugendliche
Meningokokkken sind Bakterien, die zu einer gefährlichen Meningitis oder Sepsis, also einer Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung, führen können. Werden diese nicht schnell genug behandelt, können diese tödlich verlaufen oder zu bleibenden Schäden führen.1 Aus diesem Grund empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Standardimpfung gegen Meningokokken A,C,W,Y, unabhängig vom vorherigen Impfstatus, für alle Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren – ein fehlender Impfschutz sollte bis zum 25. Geburtstag nachgeholt werden. Die bisherige Standardimpfung gegen Meningokokken C (MenC) für Kleinkinder im Alter von 12 Monaten sowie die mögliche Nachholimpfung bis zu einem Alter von < 18 Jahren entfällt fortan.2 Seit 2024 empfiehlt die STIKO auch die Meningokokken-B-Impfung als Standardimpfung für Säuglinge im Alter von 2 Monaten, mit einer möglichen Nachholimpfung bis zum 5. Geburtstag.3
Warum ist die Meningokokken-Impfung so wichtig?
Meningokokken sind bakterielle Krankheitserreger. Bei einer Meningokokken-Infektion kann es zu einer schweren Erkrankung kommen: Innerhalb weniger Stunden stellt sich dann ein lebensbedrohlicher Zustand ein. Invasive Meningokokken-Erkrankungen verlaufen vor allem als Meningitis und/oder Sepsis. Septische Verläufe werden bei über zwei Drittel der in Deutschland gemeldeten Erkrankungen berichtet. 10-20% der erkrankten Personen tragen dauerhafte Schäden davon, dazu gehören u.a. Hörverlust oder neurologische Schäden, und ca. 1% der Erkrankten mit Meningitis und 13 bis 33% der Erkrankten mit Sepsis versterben.1
Um solchen durch Meningokokken bedingten Gefahren vorzubeugen, kommt die Impfung ins Spiel. Grundsätzlich dienen Impfungen dazu die körpereigene Immunabwehr gegen Krankheitserreger zu stärken.4 Mit der Meningokokken-Impfung kann einer Infektion durch die bakteriellen Erreger vorgebeugt werden.7 Doch es gibt nicht nur eine einzige Impfung gegen Meningokokken. Das liegt daran, dass es mehrere Varianten von Meningokokken gibt, die in Serogruppen unterteilt werden. Daher stammen auch die unterschiedlichen Bezeichnungen wie Meningokokken B, Meningokokken C oder Meningokokken A, W, und Y.1
Wann sollte ich mein Kind gegen Meningokokken A, C, W und Y impfen lassen?
Die Experten von der STIKO am Robert Koch-Institut (RKI) empfehlen die Impfung, unabhängig vom vorherigen Impfstatus, gegen Meningokokken A, C, W, und Y für alle Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 14 Jahren. Ein fehlender Impfschutz sollte bis zum 25. Geburtstag nachgeholt werden.2 Seit 2024 empfiehlt die STIKO auch die Meningokokken-B-Impfung als Standardimpfung für Säuglinge im Alter von 2 Monaten, mit einer Nachholimpfung bis zum 5. Geburtstag.3
Wie viele Impfungen müssen wann durchgeführt werden?
Die Meningokokken-A, C, W, Y-Impfung wird mit nur einer Impfstoffdosis durchgeführt. Um Ihr Kind rechtzeitig vor Meningokokken-Infektionen zu schützen, empfiehlt die STIKO die Impfung, unabhängig vom vorherigen Impfstatus, bereits im Alter von 12 bis 14 Jahren, somit kann frühzeitig ein Schutz vor dem Inzidenzanstieg für invasive Meningokokken-Erkrankungen (IME) der Serogruppe A, C, W, Y bei Jugendlichen ab 15 Jahren aufgebaut werden.2,5
Ältere Kinder und Jugendliche, die noch keine Meningokokken-Impfung erhalten haben, sollten diese bis zum 25. Geburtstag nachholen.2 Die Kosten für die MenACWY-Impfung werden seit dem 18.02.2026 für alle gesetzlich Versicherten übernommen. Die Abrechnung kann sich aktuell je nach Bundesland noch unterscheiden. Bei Fragen hierzu wenden Sie sich am besten an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.12
Wie kann ich durch die Impfung auch andere schützen?
Die Impfung wirkt sich zudem auf die Übertragung der Meningokokken auf andere Altersgruppen aus: Die Impfung kann die Meningokokken-Besiedlung im Nasen-Rachen-Raum verringern und damit die Übertragung auf andere Altersgruppen reduzieren. Da Jugendliche besonders häufig asymptomatische Träger sind (d.h. den Erreger in sich tragen, ohne selbst zu erkranken), trägt eine hohe Impfquote in dieser Altersgruppe wesentlich zum Bevölkerungsschutz bei (Herdenschutz).
Dadurch können auch andere Altersgruppen – insbesondere Säuglinge unter 12 Monaten, bei denen die Impfung noch nicht empfohlen ist, indirekt vor ACWY-IME geschützt werden.2,5
Der Meningokokken-A, C, W und Y Impfstoff ist ein sogenannter konjugierter Impfstoff. Die Antigene sind die Bestandteile gegen die eine Immunantwort ausgebildet wird. Sie bestehen aus einem Teil der Bakterienkapsel der Meningokokken der Serogruppen A, C, W, Y. Die Antigene lösen allerdings nur eine sehr schwache Immunantwort aus. Deswegen wird ein zusätzliches Molekül mit den Antigenen verbunden (konjugiert). Dadurch kann eine stärkere und länger anhaltende Immunreaktion ausgelöst werden.6
Welche Nebenwirkungen können bei der Meningokokken-Impfung auftreten?
Das Immunsystem setzt sich mit dem Impfstoff auseinander, um Antikörper zu bilden. Durch diese erwünschte Auseinandersetzung können leichte Beschwerden nach der Impfung wie Rötungen, Schwellungen an der Einstichstelle oder Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit, und Schläfrigkeit auftreten.7,13
Diese Symptome klingen aber in der Regel nach wenigen Tagen wieder ab. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten.13
Genaue Angaben zu Art und Häufigkeit von unerwünschten Arzneimittelwirkungen können auch in der Fachinformation des jeweiligen Impfstoffes nachgelesen werden.7
Welche Meningokokken-Impfungen gibt es noch?
Neben der Unterscheidung in relativ harmlose Stämme und gefährliche (virulente) Stämme werden Meningokokken in unterschiedliche sogenannte Serogruppen eingeteilt. Insgesamt sind 12 verschiedene bekannt. Die Gruppen unterscheiden sich u. a. durch die Moleküle, die sie auf ihrer Oberfläche tragen. In Deutschland kommen hauptsächlich die Serogruppen B, C, W und Y vor.1
Neben der Vierfachimpfung gegen Meningokokken A, C, W und Y für Kinder und Jugendliche empfiehlt die STIKO allen Säuglingen ab dem Alter von zwei Monaten eine Standardimpfung gegen Meningokokken der Serogruppe B. Die Impfung soll bei Kleinkindern bis zum 5. Geburtstag nachgeholt werden.3
Die STIKO-Empfehlung zur Indikationsimpfung gegen MenACWY und MenB für Reisende (z. B. zur Pilgerfahrt nach Mekka oder Langzeitaufenthalte im Ausland, besonders Kinder und Jugendliche) und gesundheitlich gefährdete Personen, einschließlich Säuglingen und Kleinkindern, mit angeborener oder erworbener Immundefizienz, bleibt unverändert.7
Für wen wird die Meningokokken A-, C-, W-, Y- und B-Impfung oder die Impfung gegen andere Meningokokken-Gruppen empfohlen?
Impfungen gegen weitere Meningokokken-Gruppen können für bestimmte Personengruppen sinnvoll sein. Dies betrifft z. B. Personen mit einer Grunderkrankung des Immunsystems. Durch die Grunderkrankung arbeitet das Immunsystem nicht mehr so effektiv und eine Erkrankung an Meningokokken kann wahrscheinlicher sein. Zum anderen wird die Impfung für Personen, die in Länder mit häufigeren Meningokokken-Erkrankungen reisen, empfohlen.
Die STIKO empfiehlt die Impfung für:
- Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12-14 Jahren als Standardimpfung gegen Meningokokken A, C, W, Y. Diese soll bis zum 25 Geburtstag nachgeholt werden.2
- Menschen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche oder Immunsuppression (z.B. bei fehlender Milz) – Impfung gegen Meningokokken A, C, W, Y und B
- Schüler/innen/Studierende vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit empfohlener Impfung für Jugendliche bzw. Schüler/innen/Studenten – entsprechend der Impfempfehlungen der Zielländer mit Meningokokken A, C, W, Y und / oder B
- Reisende in Länder, in denen diese Infektionen regelmäßig auftreten, besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung – Impfung gegen Meningokokken A, C, W, Y
- gefährdetes Laborpersonal – Impfung gegen Meningokokken A, C, W, Y und B
- Bei Ausbrüchen auf Empfehlung der Gesundheitsbehörden
Die Kosten für die MenACWY-Impfung werden seit dem 18.02.2026 für alle gesetzlich Versicherten übernommen. Die Abrechnung kann sich aktuell je nach Bundesland noch unterscheiden. Bei Fragen hierzu wenden Sie sich am besten an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.12
Was genau sind Meningokokken?
Meningokokken sind auf der ganzen Welt verbreitete Bakterien. Ihr Lebensraum ist allerdings ausschließlich der Mensch. Sie besiedeln dabei den Nasen-Rachen-Raum: Bei ca. 10 Prozent aller Menschen lassen sich die Bakterien nachweisen.1 Bei Jugendlichen kann dieser Wert noch deutlich höher ausfallen: Bis zu 24 Prozent.8
In den meisten Fällen handelt es sich bei diesen Besiedlungen um relative harmlose Stämme der Bakterien und es kommt zu keinen Krankheitssymptomen.
In diesen Fällen ist die Person ein sogenannter „Träger“ und kann die Bakterien weiterverbreiten.1,8 Es gibt aber auch sehr gefährliche Stämme, die z.B. durch Mutationen entstehen und von Mensch-zu-Mensch weitergegeben werden können. Die höchsten Inzidenzen werden im 1. und 2. Lebensjahr beobachtet, mit einem zweiten, kleineren Inzidenzgipfel bei 15- bis 19- jährigen Jugendlichen.1
Unterschiedliche Meningokokken-Gruppen in unterschiedlichen Ländern
Überall in Europa werden die häufigsten Erkrankungen durch Meningokokken derselben Serogruppen verursacht. Gemessen an der Einwohnerzahl treten Meningokokken-Erkrankungen in vielen Ländern Europas allerdings häufiger als in Deutschland auf. Dies betrifft vor allem das Vereinigte Königreich (UK)14, Irland, die Niederlande, Kroatien, Frankreich oder Spanien.9,16,17
Außerhalb Europas, können andere Serogruppen eine größere Rolle spielen als in Deutschland. So sind Fälle mit der Serogruppe W in Deutschland noch verhältnismäßig selten zu beobachten, auf anderen Kontinenten, wie in bestimmten Regionen Afrikas oder Südamerikas, jedoch für eine Vielzahl an Fällen verantwortlich.10,15 Aufgrund der häufigeren Meningokokken-Erkrankungen wird ein Teil Afrikas auch Meningitis-Gürtel genannt, der insgesamt 26 Länder oder Teile davon umfasst. Für Reisende in dieser Region ist eine Impfung mit einem Meningokokken ACWY-Kombinationsimpfstoff empfehlenswert.10
Wie kann man sich anstecken?
Die Übertragung auf andere Menschen erfolgt über eine Tröpfcheninfektion: Also beim Niesen, beim Husten oder Sprechen oder auch beim Küssen. Man vermutet, dass dies auch der Grund ist, warum die Bakterien besonders häufig bei Jugendlichen im Nasen-Rachen-Raum vorkommen.1,8 Jugendliche haben ein anderes Sozialverhalten als Erwachsene: Man trifft sich oft bei Freunden, in der Schule oder im Sportverein, teilt in der Pause oder auf einer Party auch mal Getränke.
Junge Erwachsene besuchen häufiger Orte, wie Clubs und Bars, an denen viele Menschen teilnehmen und die Übertragung von Krankheitserregern erleichtern. Dabei teilt man nebenbei unbewusst manchmal auch Erreger wie die Meningokokken.11
Welche Krankheitsanzeichen treten auf?
Der Krankheitsbeginn tritt meistens sehr plötzlich und schnell fortschreitend auf. Hirnhautentzündungen ausgelöst durch Meningokokken zeigen sich z.B. durch Fieber, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Nackensteifigkeit und starke Schläfrigkeit, Stupor sowie Krampfanfälle. Das Krankheitsgefühl ist sehr stark ausgeprägt. Bei schweren Fällen macht sich die Erkrankung auch durch punktförmige oder flächige Einblutungen bemerkbar – eine Folge der Störung der Blutgerinnung. Diese Einblutungen treten besonders dann auf, wenn eine Blutstrominfektion vorliegt.1
Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Beschwerden hingegen weniger deutlich sein – zudem kann die Nackensteifigkeit fehlen. Häufig zeigen sich allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Erbrechen, Krämpfe, Reizbarkeit oder Schläfrigkeit. In Folge der Hirnhautentzündung kann die Fontanelle – das ist die Spalte zwischen den Schädelplatten der Säuglinge – vorgewölbt oder verdickt sein.1
Gut zu wissen: Wie kann eine Blutvergiftung erkennen? Der „Glas-Test“
Mit einem einfachen Test kann man überprüfen, ob es sich nur um einen Hautausschlag oder eine Blutvergiftung handelt.11
Drücke ein durchsichtiges Trinkglas auf einen der roten Flecken und beobachte diesen durch den Boden des Glases.
Verschwindet der Fleck? Dann ist es ein Hautausschlag.
Bleibt der Fleck? Sofort zum Arzt! Er könnte durch eine Einblutung ausgelöst und ein Zeichen für eine Meningokokken Infektion sein.
Bei einem positiven Glas-Test zählt jede Minute. Dein Kind muss sofort in ärztliche Behandlung, um die Ausbreitung der Bakterien schnellstmöglich zu stoppen.
Quellen
1 Robert Koch-Institut, Meningokokken-Erkrankungen Letzter Zugriff am: 27.05.2026
2 Epidemiologisches Bulletin 44/2025 Letzter Zugriff am 27.05.2026
3 Epidemiologisches Bulletin 3/2024 Letzter Zugriff am 27.05.2026
4 Impfstoffe – Wie sie wirken und wovor sie schützen | vfa Letzter Zugriff am 27.05.2026
5 RKI - Bekanntmachungen der STIKO - Pressemitteilung der STIKO zur neuen Empfehlung der Meningokokken-Impfung Letzter Zugriff am 27.05.2026
6 Pizza et al. Vaccines against Meningococcal Diseases - PubMed Letzter Zugriff am 27.05.2026
7 Epidemiologisches Bulletin 4/2026 Letzter Zugriff am 27.05.2026
8 Christensen H, et al. Lancet Infect Dis. 2010;10:853-861.
9 European Centre for Disease Prevention and Control, Surveillance Atlas of Infectious Diseases. Letzter Zugriff am 27.05.2026
10 Epidemiologisches Bulletin 14/2025 Letzter Zugriff am 27.05.2026
11 Stephens DS et al. Lancet. 2007;369:2196-210
12 §132e Abs.1 SGB V
13 https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Sicherheit/sicherheit-von-impfungen-node.html. Stand: 27.02.2025
14 https://www.gov.uk/government/publications/meningococcal-disease-laboratory-confirmed-cases-in-england-2023-to-2024/invasive-meningococcal-disease-in-england-annual-laboratory-confirmed-reports-for-epidemiological-year-2023-to-2024 Letzter Zugriff am 27.05.2026
15 Pardo de Santayana C et al. Epidemiol Infect. 2023 Mar 6;151:e57.
16 Einwohnerzahlen in Europa nach Ländern bis 2100 | Statista (zuletzt abgerufen am 27.05.2026)
17 Großbritannien - Einwohner bis 2050| Statista (zuletzt abgerufen am 27.05.2026)