Impftipps für Eltern

Das rät der Kinderarzt

Wenn die ersten Impfungen anstehen, haben Eltern viele Fragen: Wie wird mein Kind die Impfung vertragen? Mute ich ihm zu viel zu? Wie kann ich meinem Kind das Impfen so angenehm wie möglich machen? Antworten auf diese und weitere Fragen junger Eltern hat Kinder- und Jugendarzt Jörn Voigt.

Im Internet und durch Gespräche im Freundes- und Bekanntenkreis habe ich einige Argumente gehört, die dagegensprechen, mein Kind zu impfen. Jetzt bin ich völlig verunsichert.

Die Beratung zu den Impfungen und die Impfung selbst gehören genau wie die Vorsorge-Untersuchungen in die Hände des behandelnden Kinderarztes. Er ist dafür ausgebildet, hat in den Jahren seiner ärztlichen Arbeit viele Kinder geimpft und kennt wie kein anderer mögliche Begleiterscheinungen. Ihr Kinderarzt wird Ihnen all Ihre drängenden Fragen zu Impfungen beantworten, mögliche Bedenken besprechen und gibt Impftipps. Viele Kinderkrankheiten kennt man heute nur noch vom Hörensagen, weil es Impfungen gibt, die sie verhindern.

Ich weiß nicht, wie mein Kind die Impfung verkraften wird.

In der Regel werden Impfungen gut vertragen. Ein paar der kleinen Impflinge reagieren mit einer Schwellung an der Einstichstelle, mit Fieber, vermindertem Appetit oder einem vermehrten Schlafbedürfnis. Das sind typische Reaktionen des Körpers auf den Impfstoff, die meist jedoch völlig unbedenklich sind. Vielmehr zeigen sie, dass das Kind auf die Impfung reagiert. Das tut der Körper aber auch, wenn er keine Reaktion zeigt. Durch eine Impfung ist der kindliche Organismus weniger belastet als durch die ansonsten vielleicht aufgetretene Krankheit.

Ich habe Sorge, dass mein Kind bei der Impfung Schmerzen hat.

Die Nadeln, mit denen Ärzte heutzutage impfen, sind so fein, dass die Kinder den Einstich so gut wie gar nicht spüren. Kinderärzte kennen außerdem viele Impftipps und Tricks um Ihr Kind abzulenken, so dass es die Impfung wahrscheinlich gar nicht merken wird: Indem es den Geschmack des Traubenzuckers erraten, die Äpfel auf dem Bild an der Wand zählen oder die Tiere beim letzten Zoobesuch beschreiben soll. Noch bevor die Kleinen den ersten Satz beendet haben, ist schon wieder alles vorbei. Rollen doch mal Tränen, versiegen sie genauso schnell, wie sie gekommen sind. Babys können beim Impfen gestillt werden; das lenkt ab und beruhigt sie.

Mein Kind hat einen Infekt, deshalb will ich den Impftermin absagen.

Das sollten Sie nicht machen. Infekt ist nicht gleich Infekt. Sagen Sie den Impftermin also nicht ab, sondern stellen Sie Ihr Kind am besten dem Kinderarzt vor. Er wird aus seiner Erfahrung heraus entscheiden, ob er Ihr Kind trotz des Infektes impfen wird oder doch erst zu einem späteren Zeitpunkt. Muss die Impfung verschoben werden, machen Sie am besten gleich einen neuen Termin aus. So verhindern Sie, dass die Impfung vergessen wird und Ihr Kind nur unvollständig geschützt ist.

Man hört und liest immer wieder, dass die Zusatzstoffe in den Impfungen schwere Nebenwirkungen auslösen können.

Impfstoffe für Kinder und Erwachsene wurden in den vergangenen Jahren ständig weiterentwickelt. Beispiel Hühnereiweiß: Früher züchtete man bestimmte Impfviren auf Hühnereiern, problematisch für Menschen mit einer entsprechenden Allergie. Heute wird auf dieses Verfahren komplett verzichtet. Und auf wichtige Hilfsstoffe wie Gelatine oder Formaldehyd, die den Impfstoff stabilisieren und haltbar machen, reagieren Kinder so gut wie nie allergisch. Immer mehr Impfstoffe kommen sogar ganz ohne diese Beistoffe aus.

Mein Kind soll nächste Woche das erste Mal geimpft werden: die Sechsfachimpfung und gegen Pneumokokken. Ich finde das zu viel für so einen kleinen Körper.

Ihre Angst, die verschiedenen Impfungen könnten das Immunsystem Ihres Kindes überfordern, ist unbegründet. Die angesprochenen Impfstoffe enthalten nur einen Bruchteil der Erreger, mit denen Ihr Kind tagtäglich konfrontiert ist: In der Sechsfachimpfung sind 23 Antigene enthalten, im Pneumokokken-Impfstoff - je nach Hersteller – zehn oder 13. Im Vergleich dazu muss sich der kindliche Organismus an einem einzigen Tage mit vielen tausend und abertausend Erregern oder Antigenen auseinandersetzen und Abwehrstoffe gegen sie bilden.

Die Antworten gab Jörn Voigt, Kinder- und Jugendarzt in Groß-Umstadt