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Impfschutz für Kinder mit Immunschwäche

Kinder erkranken häufig an Infektionen, doch das ist ganz normal. Acht bis zwölf Infekte pro Jahr sind für Eltern in der Regel noch kein Grund zur Sorge – und die meist leichten Infekte wie Schnupfen, sind bei ansonsten gesunden Kindern oft schnell vergessen. Kinder mit einer Immunschwäche haben dagegen ein deutlich höheres Risiko, an einem Infekt zu erkranken.

Dazu kommt: Eine Infektion (zum Beispiel mit Pneumokokken oder Meningokokken) oder eine Erkrankung (zum Beispiel Windpocken oder Masern) kann bei abwehrgeschwächten Kindern sehr viel schwerer verlaufen als bei gesunden Kindern. Zudem erholen sie sich langsamer, sind stark geschwächt oder müssen sogar gegen lebensbedrohliche Komplikationen kämpfen. Die Ursachen für ein geschwächtes Immunsystem sind sehr vielfältig – sie können angeboren sein oder durch eine Krankheit verursacht werden. Auch verschiedene Therapien haben eine Immunsuppression zur Folge. Für Kinder, die eine Immunschwäche haben oder bei denen eine Immunsuppression bevorsteht, sind Impfungen daher besonders wichtig, zum Beispiel gegen Pneumokokken (Lungenentzündung), Meningokokken (Hirnhautentzündung und/oder Blutvergiftung) und Influenza (Grippe). Hinzu kommt: Impfungen können Kindern und ihren Eltern die Angst vor zusätzlichen Krankheiten nehmen – das steigert die Lebensqualität und Lebensfreude der ganzen Familie.

Im folgenden Text erklären wir, welchen Einfluss ein geschwächtes Immunsystem auf die Infektanfälligkeit von Kindern hat und warum der Impfschutz für Kinder mit Immunschwäche so wichtig ist.

 

In diesem Artikel:

  • Immunschwäche bei Kindern – Ursachen und Symptome

  • Erhöhtes Infektionsrisiko von Kindern mit Immunschwäche

  • Was tun, wenn mein Kind ein geschwächtes Immunsystem hat?

Immunschwäche bei Kindern – Ursachen und Folgen

Ursachen einer Immunschwäche bei Kindern

Zu den jüngsten Kindern mit einer Immunschwäche zählen alle Frühgeborenen. Denn ihre Immunabwehr ist noch nicht voll ausgeprägt. Auch der sogenannte, von der Mutter mitgegebene „Nestschutz“ ist oftmals nur unvollständig vorhanden. 

Eine Immunschwäche bei Kindern kann – ebenso wie bei Erwachsenen – ganz unterschiedliche Ursachen haben. Neben den eher seltenen angeborenen Immundefekten können vor allem erworbene Immundefekte auch bei Kindern und Jugendlichen zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems führen. Erworbene Immundefekte können durch bestimmte Erreger oder Infektionen hervorgerufen werden, wie etwa eine Infektion mit dem HI-Virus, die die Immunschwächekrankheit Aids auslösen kann. Aber auch Krebserkrankungen wie Leukämien betreffen die Abwehrzellen, sodass diese nicht mehr richtig funktionieren können. Ebenfalls haben bestimmte Therapien oder Medikamente eine Immunsuppression zur Folge: In der Krebsbehandlung beispielsweise schwächen Chemotherapien ebenso wie die Strahlentherapie das Immunsystem. Moderne Arzneimittel, sogenannte Biologika, werden in der Regel bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen eingesetzt. Sie drosseln die krankhaft erhöhte Entzündungsaktivität im Körper. Zu den chronisch-entzündlichen Erkrankungen zählen beispielsweise rheumatoide Arthritis, Psoriasis oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Die Immunschwäche kann also, je nach Krankheitsbild, als krankheitstypisches Symptom auftreten oder aber sie ist Folge einer immunsuppressiven Therapie, die zur Behandlung der Erkrankung notwendig ist. Auch eine Kombination aus beidem ist möglich.

Krankes Kind
Kinder mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten sind erhöht gefährdet, eine Infektion zu bekommen.

Erhöhtes Infektionsrisiko als Folge einer Immunschwäche bei Kindern

Die Folge: Es kommt viel häufiger zu Infekten. Zusätzlich droht die Gefahr schwerer oder sogar lebensbedrohlicher Krankheitsverläufe. So kann zum Beispiel eine Infektion mit Pneumokokken-Bakterien eine Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung auslösen und ein sehr ernstes Krankheitsbild entwickeln. 

Was tun, wenn mein Kind ein geschwächtes Immunsystem hat?

Impfungen schützen Kinder mit Immunschwäche vor Infektionen

Impfungen zählen zu den wichtigsten und wirksamsten Schutzmaßnahmen gegen Infektionen. Das gilt für alle Kinder – und ganz besonders für Kinder mit einer Immunschwäche. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine ganze Reihe von Standardimpfungen, die alle Kinder bereits im Säuglings- und Kleinkindalter sowie im Laufe der ersten 17 Lebensjahre erhalten sollten. Hierzu zählen zum Beispiel Impfungen gegen DiphtheriePolio (Kinderlähmung) oder Masern. Zusätzlich dazu empfiehlt die STIKO die sogenannte Indikationsimpfung für Kinder mit Immunschwäche, zum Beispiel eine Impfung gegen InfluenzaHepatitis B und Meningokokken, Typ ACWY und B, sowie die Pneumokokken-Impfung als sequenzielle Impfung. 

Grundsätzlich ist ein vollständiger Impfschutz für immunsuppressive Kinder natürlich wünschenswert, die Eignung der jeweiligen Impfung für Kinder mit Abwehrschwäche hängt jedoch auch vom Impfstoff ab. So werden Lebendimpfungen wie die MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln) für immunsuppressive Kinder in der Regel nicht empfohlen. Trotzdem kann der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung der zugrunde liegenden Erkrankung, des Gesundheitszustandes und der Therapieplanung des jungen Patienten auch eine Lebendimpfung befürworten. Eltern sollten sich daher immer mit dem behandelnden Kinder- oder Facharzt beraten und gemeinsam einen individuell auf ihr Kind abgestimmten Impfplan erstellen. Totimpfungen, wie die Pneumokokken-Impfung, gelten als unbedenklich.

So empfiehlt die STIKO für Kinder und Jugendliche mit einer Immunschwäche ausdrücklich eine sequenzielle Impfung gegen Pneumokokken. Diese erfordert zwei Impfungen im Abstand von sechs bis zwölf Monaten.

Impfen
Ein vollständiger Impfschutz für immungeschwächte Kinder ist wichtig, dies sollte frühzeitig mit dem Arzt besprochen werden.

Die zweite Impfung sollte laut STIKO mit einem Mindestabstand von sechs Jahren wiederholt werden. 

Hier erfahren Sie mehr über die Impfempfehlungen der STIKO für Kinder mit und ohne Immunschwäche.

„Herdenschutz“ ist besonders wichtig

Herdenschutz hat für Kinder mit einer Immunschwäche eine besonders wichtige Bedeutung: Sind die Menschen im Umfeld der Kinder gegen eine bestimmte Krankheit geimpft, können sie diese Krankheit nicht mehr an das abwehrgeschwächte Kind weitergeben – sogar wenn das Kind selbst nicht gegen diese Krankheit geimpft werden konnte. Eltern, Geschwister, Verwandte, Freunde, Schulkameraden, Lehrer oder Nachbarn – alle gemeinsam bilden auf diese Weise die „Herde“, die das immunschwache Kind vor Infektionen schützt.

Eltern sollten daher darauf achten, dass auch die Personen aus dem Umfeld ihres Kindes – Erwachsene wie Kinder – über einen vollständigen Impfschutz verfügen, der nicht nur Standardimpfungen umfasst, sondern auch von der STIKO empfohlene zusätzliche Impfungen wie gegen Pneumokokken, Meningokokken oder Influenza.

Impfplanung mit dem Arzt

Nach Erhalt der Diagnose einer Immunschwäche ihres Kindes sollten Eltern gemeinsam mit dem behandelnden Kinder- oder Facharzt den Impfstatus des Kindes abklären und einen Impfplan erstellen. Eine Impfberatung und -planung sollte nach diesem Erstgespräch in regelmäßigen Abständen stattfinden. Generell sollten für die Planung einer individuellen Impfstrategie im Eltern-Arzt-Gespräch unter anderem folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • allgemeiner Gesundheitszustand
  • Impfstatus laut Impfpass (Standardimpfung und Indikationsimpfung)
  • rechtzeitige Planung notwendiger Impfmaßnahmen im Vorfeld therapeutischer Maßnahmen, z. B. vor einer immunsuppressiven Therapie
  • Auffrischimpfungen rechtzeitig planen: Da der Impfschutz bei Immunschwäche schneller nachlässt, sollten keine Impflücken entstehen 
  • sofern angezeigt: Kontrolle der Antikörperkonzentrationen im Blut (Titerkontrolle) hinsichtlich relevanter Infektionskrankheiten – auch zur Kontrolle des Impferfolgs
  • Lebensumstände des Kindes, die ein erhöhtes Infektionsrisiko bergen, zum Beispiel Kindergarten oder Schule, geplante Reisen oder erkrankte nahestehende Personen

Die STIKO empfiehlt Kindern mit Immunsuppression neben der Impfung gegen Pneumokokken auch Impfungen gegen Grippe (Influenza), Hepatitis B und gegen Meningokokken. Hier erfahren Sie mehr über die Impfempfehlungen der STIKO für Kinder mit und ohne Immunschwäche.

Impfplanung mit dem Arzt
Der Arzt wird bei Diagnose „Immunschwäche“ gemeinsam mit den Eltern die Impfplanung durchführen, um Infektionsrisiken zu reduzieren.