Hib Erreger (Haemophilus influenzae Typ b)

Die Auslöser von Hib-Erkrankungen sind Bakterien mit dem Namen „Haemophilus influenzae", welche in sechs verschiedenen Kapseltypen (Serotyp a-f) vorkommen. Daneben gibt es auch Stämme ohne Kapsel.1
Für die meisten schweren (invasiven) Erkrankungen beim Menschen sind Haemophilus influenzae-Bakterien des Kapseltyps b verantwortlich.2 Man spricht deshalb vereinfacht von Hib-Erkrankungen. Andere Serotypen und unbekapselte Erreger verursachen meist nur leichtere Atemwegsinfektionen.

Haemophilus influenzae-Bakterien kommen weltweit vor. In Ländern ohne Impfprogramme kann man noch heute beobachten, dass die meisten schweren Erkrankungsfälle von Erregern des Serotyps b ausgelöst werden (Hib).1
Seit Einführung der Hib-Impfung Anfang der 1990er Jahre, sind Hib-Fälle in Deutschland stark zurückgegangen. Für Eltern von Babys und Kleinkindern gehört Hib deshalb mittlerweile zu den eher unbekannten Erkrankungen. Im Jahr 2008 wurden noch 152 Fälle an das Robert Koch-Institut gemeldet.1

Meist treten Hib-Erkrankungen bei Säuglingen und kleinen Kindern zwischen drei Monaten und fünf Jahren auf. Die Altersverteilung der schweren Hib-Infektionen hat sich jedoch gewandelt: In den Jahren 2001 bis 2008 wurden dem RKI insgesamt 713 Fälle übermittelt, von denen 32 % bei Patienten über 70 Jahren beobachtet wurden. 10 % der Fälle traten im ersten Lebensjahr auf.1

Hib-Bakterien siedeln im Nasen-Rachenraum des Menschen und können unterschiedliche Krankheitsbilder hervorrufen. Zu den schwersten gehören die Hirnhautentzündung, die Lungenentzündung, eine Entzündung des Kehldeckels und/oder eine Blutvergiftung. Hib-Erkrankungen können äußerst rasch fortschreiten. Die Sterblichkeit beträgt bei unbehandelten Patienten bis zu 80 %. Selbst bei einer frühzeitigen Therapie sterben noch fünf bis 10 % der Erkrankten.3


Die Entzündung des Kehldeckels stellt einen besonderen Notfall dar, da sich diese Erkrankung extrem schnell entwickelt und zu akuter Atemnot bis hin zum Tod führen kann. Die Sterblichkeit bei einer nicht umgehend behandelten Kehldeckelentzündung ist daher mit bis zu 25 % sehr hoch.3


Eine Hirnhautentzündung zeigt sich durch hohes Fieber, Berührungsempfindlichkeit, Erbrechen, Krämpfe und schrilles Schreien.2 Bei ungünstigem Verlauf führt sie zu Folgeschäden wie Sprachstörungen, Hörschäden und geistiger Behinderung.3Hib-Erreger können noch weitere Erkrankungen wie Entzündungen der Nasennebenhöhlen, der Ohren oder Gelenke auslösen.3

Zwar kann die Erkrankung durch die Gabe von Antibiotika behandelt werden. Trotzdem kann es gerade bei Kindern unter einem Jahr zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen.

Die überwiegende Zahl der Hib-Erkrankungen bei Kindern treten vor dem vollendeten fünften Lebensjahr auf. Nur sehr selten kommt es in den ersten drei Monaten zu einer Ansteckung, sie ist aber nicht ausgeschlossen. Antikörper von der Mutter schützen das Neugeborene in dieser Zeit weitgehend gegen bestimmte Krankheiten. Zu diesen Erkrankungen zählt auch Hib.

Hib-Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen, Küssen) von Mensch zu Mensch übertragen. Eine Übertragung ist jedoch auch über Gegenstände möglich2 (z.B. beim gemeinsames Benutzen von Gläsern oder Besteck).
Ob es nach der Übertragung der Bakterien zu einer Erkrankung kommt, hängt von der Menge der übertragenen Bakterien ab. Außerdem ist entscheidend, ob der Organismus bereits durch eine andere Infektion geschwächt ist.3
Tückisch: Die meisten Infizierten wissen nicht, dass sie Hib-Erreger in sich tragen, da sie zu den „symptomlosen Trägern“ gehören. Sie können allerdings über längere Zeit andere Menschen mit Hib-Bakterien anstecken.3 

Dem konsequenten Einsatz von Hib-Impfstoffen ist es zu verdanken, dass seit Beginn der 1990er Jahre Hib-Erkrankungen in Deutschland stark gesunken sind. Die Hib-Impfung gehört auch heute noch zu den Standard-Impfungen für Babys und Kleinkinder. Der Impfschutz wird bei Babys aufgebaut, sobald die mütterlichen Antikörper gegen Hib verschwinden:
 Im zweiten Lebensmonat erhalten Säuglinge die erste Impfung. Eine zweite Impfung erhalten die Kinder mit vollendetem drittem Lebensmonat. Die dritte Dosis folgt ab dem vollendeten vierten Lebensmonat und am Ende des ersten Lebensjahres (11.-14. Lebensmonat) wird die vierte Teilimpfung gegeben.2

Die Hib-Impfung ist Teil der 6-fach-Kombinations-Impfung, mit welcher Kinder mit einer Impfung gleichzeitig gegen sechs verschiedene Erkrankungen geschützt werden (DiphtherieTetanusKeuchhustenKinderlähmungHibHepatitis B).

Das empfohlene Impfschema

Vollständiger Impfschutz gegen Hib von Klein auf

Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts, Epid. Bull., 34/2016.
G: Grundimmunisierung (in bis zu 4 Teilimpfungen G1-G4)
c: Bei Anwendung eines monovalenten Impfstoffes kann diese Dosis entfallen.

1 Epidemiologisches Bulletin, 31. August 2009 / Nr. 35
2 www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-kinder-0-12-jahre/hib-haemophilus-influenzae-b/infektion/#/jfmulticontent_c33109-3, abegerufen am 03.03.2017
3 www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/haemophilus-influenzae-typ-b-hib, abegerufen am 17.03.2016